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Was ist ein BMEcat? Aufbau, Versionen 1.2 vs. 2005 und wie du einen erstellst

Der B2B-Katalogstandard verständlich erklärt: Struktur mit XML-Beispiel, der Versionsvergleich 1.2 vs. 2005 und der schnellste Weg zum validen Katalog.

Dein größter Kunde fordert einen BMEcat. Der Marktplatz, auf dem du verkaufen willst, akzeptiert nur BMEcat. Und im E-Procurement-System deines Konzernkunden kommst du ohne BMEcat gar nicht erst rein. Aber was ist ein BMEcat eigentlich genau? In diesem Artikel erfährst du, wie das Format aufgebaut ist, worin sich die Versionen 1.2 und 2005 unterscheiden, welche Version Marktplätze heute typischerweise fordern — und wie du einen BMEcat erstellst, ohne dich durch XML-Spezifikationen zu quälen.

Was ist ein BMEcat?

BMEcat ist der etablierte Standard für den elektronischen Austausch von Produktkatalogen im B2B-Umfeld. Entwickelt wurde er vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) — daher der Name. Technisch ist ein BMEcat eine XML-Datei, die deinen kompletten Produktkatalog in einer standardisierten Struktur enthält: Artikelnummern, Beschreibungen, Preise, Bestelleinheiten, Bilder, Klassifikationen.

Der Zweck: Lieferant und Abnehmer sprechen dieselbe Datensprache. Ein Einkäufer, der Kataloge von 200 Lieferanten in sein E-Procurement-System lädt, kann nicht 200 individuelle Excel-Formate verarbeiten. Mit BMEcat liefert jeder Lieferant dieselbe Struktur — und das System kann die Daten automatisch einlesen, validieren und bereitstellen. Wie elektronische Kataloge im B2B-Einkauf generell funktionieren, haben wir in einem eigenen Artikel beschrieben.

So ist ein BMEcat aufgebaut

Jede BMEcat-Datei besteht aus zwei großen Blöcken: dem HEADER mit den Metadaten des Katalogs und einem Transaktionsbereich mit den eigentlichen Artikeldaten.

Der HEADER: Wer liefert was an wen?

Der HEADER beschreibt den Katalog selbst: Katalog-ID und Version, Sprache, Währung, Lieferant (SUPPLIER) und optional der Empfänger (BUYER). Viele Zielsysteme prüfen den HEADER zuerst — ein fehlerhafter HEADER führt dazu, dass der gesamte Katalog abgelehnt wird, bevor auch nur ein Artikel eingelesen wurde.

Der Transaktionsbereich: Die Artikeldaten

BMEcat kennt drei Transaktionsarten:

  • T_NEW_CATALOG — ein kompletter neuer Katalog. Das ist der Standardfall und meist die einzige Transaktion, die Marktplätze akzeptieren.

  • T_UPDATE_PRODUCTS — aktualisiert einzelne Artikel in einem bestehenden Katalog.

  • T_UPDATE_PRICES — aktualisiert nur Preise, ohne die restlichen Artikeldaten anzufassen.

Innerhalb der Transaktion steckt pro Produkt ein ARTICLE-Element (in BMEcat 2005 heißt es PRODUCT). Ein stark vereinfachtes Beispiel in BMEcat-1.2-Syntax sieht so aus:

<BMECAT version="1.2">

  <HEADER>

    <CATALOG><LANGUAGE>deu</LANGUAGE><CATALOG_ID>K2026-01</CATALOG_ID><CATALOG_VERSION>1.0</CATALOG_VERSION></CATALOG>

    <SUPPLIER><SUPPLIER_NAME>Beispiel GmbH</SUPPLIER_NAME></SUPPLIER>

  </HEADER>

  <T_NEW_CATALOG>

    <ARTICLE>

      <SUPPLIER_AID>4711-B</SUPPLIER_AID>

      <ARTICLE_DETAILS><DESCRIPTION_SHORT>Sicherheitshandschuh Gr. 9</DESCRIPTION_SHORT><EAN>4012345678901</EAN></ARTICLE_DETAILS>

      <ARTICLE_ORDER_DETAILS><ORDER_UNIT>PR</ORDER_UNIT></ARTICLE_ORDER_DETAILS>

      <ARTICLE_PRICE_DETAILS><ARTICLE_PRICE price_type="net_customer"><PRICE_AMOUNT>4.90</PRICE_AMOUNT><PRICE_CURRENCY>EUR</PRICE_CURRENCY></ARTICLE_PRICE></ARTICLE_PRICE_DETAILS>

      <MIME_INFO><MIME><MIME_TYPE>image/jpeg</MIME_TYPE><MIME_SOURCE>4711-b.jpg</MIME_SOURCE></MIME></MIME_INFO>

    </ARTICLE>

  </T_NEW_CATALOG>

</BMECAT>

Real kommen pro Artikel noch Langbeschreibung, Schlagworte, Klassifikationsmerkmale, Preisstaffeln und weitere Medien dazu. Aber das Grundprinzip bleibt: HEADER, Transaktion, ein wiederholtes Artikel-Element mit klar definierten Feldern.

BMEcat 1.2 vs. BMEcat 2005: Der Versionsvergleich

In der Praxis begegnen dir zwei Versionen: BMEcat 1.2 aus dem Jahr 2001 und BMEcat 2005. Die 2005er-Version ist funktional deutlich mächtiger — und trotzdem ist die 1.2 bis heute der am weitesten verbreitete Stand. Das ist die wichtigste Erkenntnis dieses Kapitels: Neuer heißt bei BMEcat nicht automatisch gefragter.

Kriterium

BMEcat 1.2 (2001)

BMEcat 2005

Multimedia / MIME

Auf wenige MIME-Typen beschränkt

Beschränkung aufgehoben — jeder offizielle MIME-Typ (Bilder, PDFs, Videos, CAD) kann exakt beschrieben werden

Preismodelle

Statische Preise und einfache Staffeln

Erweitertes Preismodell mit dynamischen Preiskomponenten und Preiszeiträumen

Mehrsprachigkeit

Ein Katalog = eine Sprache

Mehrere Sprachen in einem Katalog, deutlich bessere Internationalisierung

Produktmodell

Element heißt ARTICLE, keine Konfiguration

Element heißt PRODUCT, konfigurierbare Produkte und Multilieferantenkataloge werden unterstützt

Externe Kataloge

Nicht vorgesehen

Anbindung externer Kataloge über OCI, PunchOut und RoundTrip

Erweiterungen (UDX)

UDX-Felder für eigene Zusatzinformationen

UDX-Felder plus zahlreiche neue Standardfelder, die vorher nur per UDX abbildbar waren

Verbreitung heute

De-facto-Standard — wird von den meisten Marktplätzen und E-Procurement-Systemen gefordert

Verbreitet in ETIM-geprägten Branchen (Elektro, SHK, Bau) als "ETIM BMEcat"

Welche Version brauchst du also? Die Antwort gibt dir immer dein Zielsystem, nicht die Spezifikation. Mercateo Unite etwa verlangt explizit BMEcat 1.2 — inklusive eigener Pflichtfelder wie eCLASS-Nummer und Zolltarifnummer. Viele Konzern-Einkaufsplattformen und OCI-Anbindungen arbeiten ebenfalls auf 1.2-Basis. BMEcat 2005 begegnet dir vor allem dort, wo ETIM-Klassifikation gefordert ist: Der Elektrogroßhandel und die SHK-Branche tauschen ihre Daten traditionell als ETIM BMEcat auf 2005er-Basis aus. Bevor du einen Katalog erstellst, gilt deshalb: Immer zuerst die Katalog-Guideline des Empfängers lesen. Fast jeder große Abnehmer hat eine — und sie definiert Version, Pflichtfelder und Klassifikation verbindlich.

Klassifikation: Erst ETIM oder eCLASS machen den BMEcat wertvoll

Ein BMEcat transportiert nicht nur Texte und Preise, sondern auch die Klassifikation deiner Produkte — also die standardisierte Zuordnung zu Warengruppen mit definierten technischen Merkmalen. Die beiden wichtigsten Systeme im DACH-Raum sind ETIM und eCLASS. Erst diese Merkmale machen deinen Katalog für den Empfänger wirklich nutzbar: Sie ermöglichen Facettensuche, Produktvergleiche und automatische Übernahme in Kundensysteme.

Für viele Abnehmer ist die Klassifikation Pflicht: Ohne eCLASS-Nummer kein Listing im Großkundenbereich von Mercateo, ohne ETIM-Merkmale keine Aufnahme in die Datenpools des Elektrogroßhandels. Wie sich die beiden Standards unterscheiden und wann du welchen brauchst, liest du im Deep Dive zu ETIM und eCLASS.

BMEcat erstellen: Die drei üblichen Wege

Die Spezifikation zu verstehen ist das eine — einen validen Katalog mit tausenden Artikeln zu produzieren das andere. In der Praxis gibt es drei Wege:

  1. Manuell mit Excel und Konverter-Tools: Für einen einmaligen Katalog mit wenigen hundert Artikeln machbar. Spätestens beim zweiten Kunden mit eigener Guideline, bei Preisänderungen oder mehrsprachigen Katalogen wird daraus ein Dauerprojekt mit hoher Fehlerquote.

  2. Dienstleister: Eine Agentur baut den Katalog für dich. Das funktioniert, kostet aber bei jeder Aktualisierung erneut Geld und Zeit — und deine Produktdaten bleiben verstreut.

  3. Aus dem PIM-System: Deine Produktdaten liegen gepflegt und klassifiziert an einer zentralen Stelle, und der BMEcat ist ein Export auf Knopfdruck — in der Version und mit den Pflichtfeldern, die dein Zielsystem fordert. Ändern sich Preise oder Sortiment, exportierst du einfach neu.

Genau dafür ist ein PIM-System gebaut: eine Quelle der Wahrheit, viele Ausgabeformate. Mit entitys kannst du BMEcat direkt aus dem PIM erstellen — inklusive ETIM- und eCLASS-Klassifikation, für die dir in der entitys Cloud über 20 Millionen bereits klassifizierte Produktdatensätze als Basis zur Verfügung stehen. entitys ist eCLASS Gold Preferred Partner, und Kunden berichten von bis zu 70 % weniger Zeitaufwand in der Datenpflege, weil Katalogexporte nicht mehr manuell zusammengebaut werden müssen.

Ausblick: ETIM xChange und EuroCat — was nach BMEcat kommt

BMEcat ist über 20 Jahre alt, und die Weiterentwicklung läuft auf zwei Schienen:

ETIM xChange ist der designierte Nachfolger des ETIM BMEcat. Statt XML setzt das Format auf JSON und ist gezielt für den Austausch ETIM-klassifizierter Produktdaten gebaut. Im November 2025 hat ETIM International die Version 2.0 veröffentlicht — mit erweiterten Umweltdatenfeldern (LCA/EPD), Verpackungsdaten im Sinne der EU-Verpackungsverordnung und verbesserten Mediencodes für die Migration vom BMEcat. In ETIM-geprägten Branchen wie der Elektrotechnik soll xChange den BMEcat mittelfristig ablösen — der Übergang wird aber Jahre dauern, in denen beide Formate parallel gefordert werden.

EuroCat ist der Versuch, aus dem deutschen BMEcat einen europäischen Standard zu machen: eine europäische Norm für digitale Produktkataloge, die auf den BMEcat-Strukturen aufbaut und zu der BMEcat kompatibel bleiben soll. Entwickelt wurde sie unter Beteiligung der ursprünglichen BMEcat-Autoren.

Für dich heißt das: BMEcat bleibt auf absehbare Zeit das Format, das deine Kunden und Marktplätze fordern — aber die Anforderungen an deine Produktdaten (Nachhaltigkeitsdaten, Verpackungsdaten, saubere Klassifikation) steigen weiter. Wer seine Daten heute zentral und klassifiziert pflegt, bedient morgen auch die Nachfolgeformate per Export.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein BMEcat einfach erklärt?

Ein BMEcat ist eine XML-Datei, die deinen Produktkatalog in einem standardisierten Format enthält — Artikelnummern, Beschreibungen, Preise, Bilder und Klassifikationen. Der Standard wurde vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) entwickelt, damit Lieferanten und Einkaufssysteme Kataloge automatisch austauschen können.

Welche BMEcat-Version brauche ich: 1.2 oder 2005?

Das entscheidet dein Zielsystem. Die meisten Marktplätze und E-Procurement-Systeme — etwa Mercateo Unite — fordern BMEcat 1.2. BMEcat 2005 ist vor allem in ETIM-geprägten Branchen wie Elektro und SHK verbreitet. Lies immer zuerst die Katalog-Guideline deines Abnehmers.

Wie erstelle ich einen BMEcat?

Für kleine, einmalige Kataloge reichen Excel-Vorlagen und Konverter. Sobald mehrere Abnehmer mit eigenen Guidelines, regelmäßige Updates oder Klassifikationspflichten dazukommen, ist der Export aus einem PIM-System der zuverlässigste Weg: Daten einmal zentral pflegen, BMEcat je Empfänger auf Knopfdruck exportieren.

Was kostet BMEcat?

Der Standard selbst ist frei verfügbar — die Spezifikationen kannst du kostenlos herunterladen. Kosten entstehen durch die Erstellung und Pflege der Kataloge: entweder als interner Aufwand, als Dienstleisterrechnung oder als Teil deiner PIM-Lizenz.

Wird BMEcat durch ETIM xChange abgelöst?

Mittelfristig ja — im ETIM-Umfeld. ETIM xChange 2.0 (November 2025) ist der designierte Nachfolger des ETIM BMEcat und setzt auf JSON statt XML. Der Übergang dauert aber Jahre, und außerhalb der ETIM-Branchen bleibt BMEcat 1.2 der geforderte Standard. Du wirst beide Formate eine Weile parallel bedienen müssen.

Sprich mit uns über deinen ersten BMEcat-Export

Du hast eine konkrete Katalog-Anforderung von einem Kunden oder Marktplatz auf dem Tisch? Zeig sie uns. Wir schauen gemeinsam auf die Guideline, deine Datenbasis und den schnellsten Weg zum validen Katalog — vereinbare hier ein unverbindliches Gespräch.

Simon Manz, CEO und Mitgründer der entitys GmbH

Simon Manz

Simon ist Unternehmer und Executive Coach. Mit seiner Erfahrung aus über fünf Jahren bei BCG und der Gründung von entitys.io konzentriert er sich darauf, mittelständische Unternehmen bei Wachstum und Transformation zu unterstützen. Sein Schwerpunkt liegt auf pragmatischen Lösungen, die nachhaltigen Erfolg ermöglichen.

Simon Manz, CEO und Mitgründer der entitys GmbH

Simon Manz

Simon ist Unternehmer und Executive Coach. Mit seiner Erfahrung aus über fünf Jahren bei BCG und der Gründung von entitys.io konzentriert er sich darauf, mittelständische Unternehmen bei Wachstum und Transformation zu unterstützen. Sein Schwerpunkt liegt auf pragmatischen Lösungen, die nachhaltigen Erfolg ermöglichen.

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