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PIM in der Medizintechnik: MDR, EUDAMED und der Datencountdown 2026

Seit Mai 2026 ist EUDAMED Pflicht – so machst du UDI, Klassifizierung und Zertifikate zu sauber gepflegten Produktdaten.

Das Wichtigste in Kürze: Ab dem 28. Mai 2026 ist die Nutzung der ersten vier EUDAMED-Module verpflichtend – neue Medizinprodukte müssen vor dem Inverkehrbringen registriert sein, Bestandsprodukte bis zum 28. November 2026 nachgemeldet werden. UDI-DI, Basis-UDI-DI, Risikoklasse und Zertifikats-Verknüpfungen sind damit endgültig Produktdaten, die du strukturiert pflegen musst. Ein PIM-System macht aus dieser Pflicht einen beherrschbaren Prozess: ein Datenmodell, Validierungsregeln, revisionssichere Änderungshistorie, Exporte auf Knopfdruck.

Darum ist ein PIM in der Medizintechnik überlebenswichtig

Für Hersteller und Händler von Medizinprodukten ist ein PIM-System die zentrale technologische Grundlage, um die strengen regulatorischen Anforderungen der Medical Device Regulation (MDR) zu erfüllen, Produktdaten für die europäische EUDAMED-Datenbank bereitzustellen und die Patientensicherheit durch lückenlos validierte Informationen zu gewährleisten. Es ist kein optionales IT-Projekt, sondern eine strategische Notwendigkeit, die eine regulatorische Pflicht in einen handfesten Wettbewerbsvorteil verwandelt. Wie das konkret aussieht, zeigen Healthcare-Unternehmen wie Lansinoh und Prospitalia, die ihre Produktdaten heute mit entitys.io managen.

Wenn Produktdaten über die Marktzulassung entscheiden

In kaum einer anderen Branche haben Produktdaten eine so kritische Bedeutung wie in der Medizintechnik. Hier geht es nicht primär um ansprechende Marketingtexte oder emotionale Produktbilder. Es geht um unmissverständliche, präzise und nachweisbar korrekte Informationen. Ein fehlendes Materialzertifikat für ein Implantat, eine unklare Angabe zur Sterilität eines chirurgischen Instruments oder eine falsche Klassifizierung eines Diagnosegeräts können im schlimmsten Fall die Patientensicherheit gefährden, zu Haftungsfällen führen und den Entzug der Marktzulassung bedeuten. Produktdaten sind hier ein integraler Bestandteil des Produkts selbst.

Mit der EU-Medizinprodukteverordnung 2017/745 (MDR) haben sich diese Anforderungen drastisch verschärft. Die MDR verlangt lückenlose Transparenz und Dokumentation über den gesamten Produktlebenszyklus – von der Entwicklung über die klinische Bewertung bis zur Überwachung nach dem Inverkehrbringen (Post-Market Surveillance). Ohne ein systemgestütztes, zentrales Stammdatenmanagement ist die Einhaltung dieser Vorgaben für mittelständische Unternehmen kaum noch rechtssicher und wirtschaftlich darstellbar.

EUDAMED wird ernst: Der Stand 2026

Jahrelang war EUDAMED freiwillig – das ist vorbei. Die Europäische Kommission hat die ersten vier Module als funktionsfähig erklärt, damit greifen die gesetzlichen Fristen:

  • Seit 28. Mai 2026 verpflichtend: die Module Akteursregistrierung (Actor), UDI/Produktregistrierung (UDI/Devices), Benannte Stellen & Zertifikate sowie Marktüberwachung.

  • Neue Produkte: müssen seit dem 28. Mai 2026 vor dem Inverkehrbringen im UDI/Devices-Modul registriert sein.

  • Bestandsprodukte: Produkte, die vor dem Stichtag bereits im Markt waren, müssen bis zum 28. November 2026 nachregistriert werden.

  • Akteure: Hersteller, Bevollmächtigte und Importeure brauchen eine Single Registration Number (SRN) aus dem Actor-Modul – ohne SRN keine Produktregistrierung.

Die Module für Vigilanz und klinische Prüfungen folgen zu einem späteren Zeitpunkt. Wer jetzt noch mit Excel-Listen und verstreuten Netzlaufwerken arbeitet, hat ein Terminproblem: Die Nachregistrierung hunderter Bestandsprodukte ist ohne strukturierte Datenbasis ein Kraftakt.

Die UDI-Datenwelt im Überblick

Herzstück der EUDAMED-Registrierung ist die Unique Device Identification (UDI), die eine weltweit eindeutige, maschinenlesbare Produktidentifikation sicherstellt und die Rückverfolgbarkeit vom Hersteller bis zum Patienten ermöglicht:

  • Basis-UDI-DI: gruppiert eine Produktfamilie mit derselben Zweckbestimmung und Risikoklasse – sie ist der Schlüssel, über den EUDAMED, technische Dokumentation und Zertifikate zusammenhängen.

  • UDI-DI: der eindeutige Code für ein spezifisches Produktmodell.

  • UDI-PI: der variable Teil mit Produktionsdaten wie Chargennummer, Verfallsdatum oder Seriennummer.

Die UDI-Kennzeichnungspflicht auf dem Label gilt inzwischen für alle Risikoklassen – zuletzt kamen im Mai 2025 die Klasse-I-Produkte hinzu. Für wiederverwendbare Produkte mit Direktmarkierung auf dem Produkt selbst läuft die letzte Frist (Klasse I) im Mai 2027 ab.

Welche Daten du konkret pflegen musst

Diese Codes sind nur die Spitze des Eisbergs. Für EUDAMED müssen Dutzende weitere Attribute pro Produkt geliefert werden. Die wichtigsten Datenobjekte und wie sie in ein PIM-Datenmodell gehören:

Datenobjekt

Was dahintersteckt

Abbildung im PIM

Basis-UDI-DI

Gruppierungsschlüssel der Produktfamilie; verknüpft Produkte, technische Dokumentation und Zertifikate

Attribut auf Familien-/Modellebene, vererbt an alle zugehörigen Varianten

UDI-DI

Eindeutiger Identifikator je Produktmodell; ändert sich bei relevanten Produktänderungen

Pflichtattribut auf Artikelebene mit Validierungsregel und Lebenszyklus-Status (z. B. registriert, aktiv)

Risikoklassifizierung

Klasse I, IIa, IIb oder III nach MDR Anhang VIII; bestimmt Fristen und Konformitätsverfahren

Auswahlfeld mit definierter Werteliste, auswertbar für Fristen-Reports

Zertifikats-Verknüpfung

Zuordnung von CE-Zertifikaten der Benannten Stelle inkl. Gültigkeit zur Basis-UDI-DI

Referenz auf Zertifikatsobjekt mit Ablaufdatum, Dokument in der DAM-Ablage versioniert

Produktstatus-Angaben

Sterilität, Einmalverwendung, kritische Inhaltsstoffe, Angaben zu Hersteller und Bevollmächtigtem

Strukturierte Einzelattribute statt Freitext, mit Pflichtfeld-Prüfung je Risikoklasse

Handels-Klassifikation

eCLASS/GS1-Zuordnung für Beschaffungsplattformen und Kliniksysteme

Klassifikationsbaum im System, Merkmale ans Produkt gemappt

Der Punkt dabei: Das alles sind Produktdaten – keine Sonderwelt der Regulatory-Abteilung. Wer sie im selben System pflegt wie Texte, Bilder und technische Merkmale, pflegt sie genau einmal und nutzt sie überall.

Die drei Kernherausforderungen, die ein PIM löst

1. Compliance: MDR und EUDAMED souverän meistern

Viele hochinnovative Unternehmen der Branche kämpfen damit, die Datenflut mit Excel, Insellösungen im ERP und verteilten Dateiservern zu managen: eine Liste für den Vertrieb, eine für die Behördenmeldung, eine dritte für die Website – Zertifikate ohne klare Versionierung auf diversen Netzlaufwerken. Das ist nicht nur ineffizient, sondern eine massive Fehlerquelle. Ein PIM schafft stattdessen eine Single Source of Truth:

  • Regulatorisches Datenmodell: Dein Datenmodell wird exakt nach den Anforderungen von EUDAMED aufgebaut. Jedes geforderte Attribut ist ein klar definiertes Feld inklusive Validierungsregeln gegen Fehleingaben.

  • Zentrales UDI-Management: Zuweisung, Lebenszyklus-Status und Verknüpfung aller UDI-Komponenten werden zentral und nachvollziehbar gesteuert.

  • Revisionssichere Änderungshistorie: Jede Änderung an einem regulatorisch relevanten Feld wird protokolliert. Du kannst jederzeit nachweisen, wer wann was geändert hat – bei Audits Gold wert und mit Excel unmöglich darzustellen.

  • Strukturierte Datenbereitstellung: Statt Daten manuell ins EUDAMED-Portal zu tippen, exportierst du die erforderlichen Informationen als strukturierte Datei für den maschinellen Upload.

2. Daten-Syndication ins Gesundheits-Ökosystem

Der Vertrieb von Medizinprodukten findet in einem komplexen Ökosystem aus B2B-Plattformen, Klinik-Einkaufsgemeinschaften und Großhändlern statt. Jede Plattform hat eigene, rigide Anforderungen an Datenformat, Klassifizierung und Datenqualität – oft im BMEcat-Format mit strengen Validierungsregeln.

Wie zentral saubere Produktdaten für diese Drehscheiben sind, zeigt Prospitalia: Der Ulmer Einkaufsdienstleister betreut über 1.300 Krankenhäuser, Klinikapotheken und weitere Einrichtungen im Gesundheitswesen und nutzt entitys.io, um Artikeldaten mit Machine-Learning-Unterstützung automatisiert zu klassifizieren und zuzuordnen. Das Ergebnis laut veröffentlichter Success Story: deutlich effizientere Abläufe beim Artikel-Matching und eine konstant hohe Stammdatenqualität als Grundlage für Analysen und strategische Beschaffungsentscheidungen. Genau diese Datenqualität erwarten Einkaufsgemeinschaften umgekehrt auch von dir als Hersteller.

Mit einer flexiblen Export-Engine definierst du einmalig ein Template je Zielplattform – welches interne Attribut auf welches Zielfeld gemappt wird, welche Validierungen gelten. Danach generiert jeder autorisierte Mitarbeiter auf Knopfdruck einen aktuellen, validen Katalog. Kunden von entitys.io erreichen durch diese Art der Automatisierung bis zu 70 % weniger Zeitaufwand in der Datenpflege und bis zu 99 % weniger Datenfehler.

3. Die gemeinsame Sprache: Klassifizierung nach eCLASS und GS1

Für die digitale Interoperabilität im Gesundheitswesen ist eine standardisierte Produktklassifizierung unerlässlich – ein Klinik-System muss die Daten hunderter Hersteller verstehen können. Standards wie eCLASS und die GS1 Global Product Classification schaffen diese gemeinsame Sprache. Einen Überblick über die relevanten Systeme findest du im Leitfaden zu den wichtigsten Klassifikationsstandards.

Die korrekte Zuordnung tausender hochspezialisierter Medizinprodukte zu den richtigen Klassen und Merkmalen (etwa Katheterdurchmesser oder Implantat-Material) erfordert tiefes Produkt- und Standardwissen. Im PIM importierst du die komplette Klassifikationsstruktur: Das System zeigt, welche Merkmale je Klasse verpflichtend sind, validiert Eingaben und macht den Vollständigkeitsgrad sichtbar. entitys ist eCLASS Gold Preferred Partner, und in der entitys-Cloud liegen über 20 Millionen bereits klassifizierte Produktdatensätze – vorklassifizierte Datensätze reduzieren den Aufwand um bis zu 80 %. Wie du dabei methodisch vorgehst, zeigt der Guide Produkte klassifizieren.

Vom Kostentreiber zum Wettbewerbsvorteil

Die Einführung eines PIM ist keine reine IT-Investition, sondern eine Geschäftsentscheidung mit messbaren Auswirkungen. Dass das auch für stark regulierte Konsumgüter im Healthcare-Umfeld gilt, zeigt Lansinoh: Die internationale Marke für Still- und Babypflegeprodukte – darunter auch Medizinprodukte wie Milchpumpen – setzt für ihre Produktdaten auf entitys.io. Wenn ein Markenhersteller mit Handels-, E-Commerce- und Regulatorik-Anforderungen dieselbe Datenbasis nutzt, entfällt genau das manuelle Hin-und-her-Kopieren, das in der Branche so viel Zeit frisst.

  • Weniger manueller Aufwand: Zentralisierung und Automatisierung senken den Zeitaufwand in der Datenpflege um bis zu 70 %.

  • Skalierbarkeit: Hochqualifizierte Mitarbeiter jagen keine Daten mehr, sondern erschließen neue Märkte und bringen Produkte schneller in den Markt.

  • Minimiertes Risiko: Systematische Datenpflege und lückenlose Änderungshistorie machen Compliance jederzeit nachweisbar.

  • Stärkere Kundenbeziehungen: Kliniken, Händler und Einkaufsgemeinschaften erhalten validierte Produktinformationen schneller und in besserer Qualität.

Und der Einstieg ist kein Mammutprojekt: Eine komplette entitys.io-Einführung dauert 6 bis 13 Wochen in 5 Sprints – von Ramp-up über Datenmodell und Datenimport bis zu Export-Anbindung und Go-Live. Branchenüblich sind 5 bis 12 Monate. Mehr zu den Healthcare-Anwendungsfällen findest du auf der Healthcare-Seite.

Fazit: Datenqualität ist Patientensicherheit und Geschäftserfolg

In der Medizintechnik ist die Qualität der Produktdaten keine Option, sondern die Grundlage der Geschäftstätigkeit – untrennbar verbunden mit der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, der Effizienz der Lieferkette und der Sicherheit der Patienten. Mit den EUDAMED-Pflichtterminen 2026 ist aus dem "irgendwann" ein konkreter Countdown geworden. Ein modernes, flexibles PIM-System schafft die notwendige Datentransparenz, automatisiert aufwendige Compliance-Prozesse und gibt dir die Sicherheit, in diesem regulierten Marktumfeld nicht nur zu bestehen, sondern souverän zu wachsen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen PIM und ERP in der Medizintechnik?

Das ERP führt logistische und transaktionale Daten – Preise, Lagerbestände, Aufträge, Rechnungen. Das PIM ist die führende Quelle für alle beschreibenden, technischen und regulatorischen Produktdaten. Es beantwortet die Frage "Was ist das für ein Produkt?", das ERP die Frage "Wo ist es und was kostet es?". Beide Systeme werden miteinander integriert.

Ab wann ist EUDAMED verpflichtend?

Seit dem 28. Mai 2026 ist die Nutzung der ersten vier Module (Akteursregistrierung, UDI/Produktregistrierung, Benannte Stellen & Zertifikate, Marktüberwachung) verpflichtend. Neue Produkte müssen vor dem Inverkehrbringen registriert sein; Bestandsprodukte, die vorher schon im Markt waren, müssen bis zum 28. November 2026 nachregistriert werden.

Wie hilft ein PIM konkret bei der UDI-Pflicht?

Die UDI besteht aus mehreren verknüpften Komponenten (Basis-UDI-DI, UDI-DI, UDI-PI), die zentral verwaltet und historisiert werden müssen. Ein PIM bildet all diese Komponenten als strukturierte Attribute ab, verwaltet ihren Lebenszyklus und ihre Beziehungen zum Produktstamm – inklusive Validierungsregeln und Änderungshistorie.

Kann ein PIM allein unsere MDR-Konformität garantieren?

Nein. Ein PIM ist das Werkzeug zur Organisation, Validierung und Bereitstellung der von der MDR geforderten Daten. Die inhaltliche Korrektheit und die Einhaltung aller weiteren regulatorischen Prozesse (klinische Bewertung, Risikomanagement, Post-Market Surveillance) bleiben in der Verantwortung des Herstellers und seines Qualitätsteams. Das PIM sorgt dafür, dass einmal validierte Informationen fehlerfrei und konsistent an alle Stellen verteilt werden.

Wir pflegen Produktdaten bereits im PLM – brauchen wir trotzdem ein PIM?

In den allermeisten Fällen ja. Ein PLM-System ist auf den Entwicklungszyklus optimiert (CAD-Daten, Prototypen, Stücklisten), ein PIM auf den kommerziellen Lebenszyklus. Es übernimmt die freigegebenen Daten aus dem PLM und reichert sie mit allem an, was Marketing, Vertrieb, E-Commerce und die regulatorische Meldung brauchen – von Texten und Bildern bis zu eCLASS-Klassifizierung und Kanalinformationen.

Sprich mit uns über dein Datenmodell

Du willst wissen, wie dein EUDAMED-Datenmodell in entitys.io aussehen würde – und wie schnell deine Bestandsprodukte registrierungsfähig sind? Dann vereinbare ein Gespräch mit uns. Wir zeigen dir anhand deiner eigenen Produktdaten, wie der Weg zur sauberen, auditfesten Datenbasis aussieht.

Simon Manz, CEO und Mitgründer der entitys GmbH

Simon Manz

Simon ist Unternehmer und Executive Coach. Mit seiner Erfahrung aus über fünf Jahren bei BCG und der Gründung von entitys.io konzentriert er sich darauf, mittelständische Unternehmen bei Wachstum und Transformation zu unterstützen. Sein Schwerpunkt liegt auf pragmatischen Lösungen, die nachhaltigen Erfolg ermöglichen.

Simon Manz, CEO und Mitgründer der entitys GmbH

Simon Manz

Simon ist Unternehmer und Executive Coach. Mit seiner Erfahrung aus über fünf Jahren bei BCG und der Gründung von entitys.io konzentriert er sich darauf, mittelständische Unternehmen bei Wachstum und Transformation zu unterstützen. Sein Schwerpunkt liegt auf pragmatischen Lösungen, die nachhaltigen Erfolg ermöglichen.

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