
Produkte klassifizieren: So bringst du deinen Artikelbestand in eCLASS oder ETIM
Der praktische 6-Schritte-Prozess vom unklassifizierten Excel-Bestand zum sauber klassifizierten Sortiment – mit realistischen Aufwänden und Mapping-Strategien.
Ein Kunde fordert eCLASS-Daten, der Marktplatz will ETIM, und dein Artikelbestand liegt unklassifiziert in Excel und ERP. Die Frage ist dann nicht mehr, ob du deine Produkte klassifizieren musst, sondern wie du das mit vertretbarem Aufwand schaffst. Genau darum geht es in diesem Artikel: um den Prozess, einen kompletten Artikelbestand zu klassifizieren — von der Bestandsaufnahme über die Mapping-Strategie bis zum laufenden Betrieb.
Was dieser Artikel bewusst nicht ist: eine Einführung in die Standards selbst. Welcher Standard für dich der richtige ist, klärt unser Überblick über die wichtigsten Klassifikationsstandards. Den direkten Vergleich findest du in eCLASS vs. ETIM im PIM, und die Tiefe zu eCLASS in Was ist eCLASS?. Hier geht es ums Machen.
Schritt 1: Ausgangslage ehrlich einschätzen
Bevor du auch nur eine Klasse zuordnest, brauchst du ein realistisches Bild deines Bestands. Drei Fragen entscheiden über den gesamten Projektzuschnitt:
Wie viele Artikel sind es wirklich? Zähle aktive, verkaufsfähige Artikel — nicht die historisch gewachsene Gesamtliste im ERP. Auslaufartikel und Dubletten klassifizierst du nicht mit.
Wo liegen die Daten? Typisch im Mittelstand: Stammdaten im ERP, Beschreibungen und technische Details in Excel-Listen, Rest in Lieferanten-PDFs. Konsolidiere zuerst pro Artikel eine Zeile mit Artikelnummer, Bezeichnung, Warengruppe und den vorhandenen technischen Angaben.
Was ist schon da? Interne Warengruppen sind keine Klassifikation — warum, erklärt unser Leitfaden zum Unterschied zwischen Warengruppen und Klassifikationen. Aber sie sind ein wertvoller Startpunkt: Eine saubere Warengruppenstruktur lässt sich oft blockweise auf Klassen mappen, statt Artikel für Artikel zu entscheiden.
Das Ergebnis dieses Schritts ist eine simple Zahl: so viele Artikel, in so vielen Warengruppen, mit diesem Befüllungsgrad. Daran bemisst sich alles Weitere.
Schritt 2: Standard und Version festlegen
Die Standardwahl halten wir hier kurz, weil sie meist gar nicht bei dir liegt: Sie kommt von deinen Kunden und Kanälen. Fordern Industriekunden und Beschaffungsplattformen eCLASS, ist das gesetzt. Lieferst du in den Elektro- oder SHK-Großhandel, ist ETIM der De-facto-Standard. Viele Hersteller brauchen am Ende beides.
Wichtiger, als oft angenommen: Lege die Version schriftlich fest — und zwar die, die deine Abnehmer tatsächlich verlangen, nicht automatisch die neueste. Aktuell heißt das eCLASS in Version 16 und ETIM 10.0 (rund 5.600 Klassen); ETIM 11.0 erscheint zum 01.12.2026. Ein Bestand, der "irgendwie in eCLASS" klassifiziert ist, aber Versionen mischt, macht beim Export mehr Arbeit als ein unklassifizierter.
Schritt 3: Mapping-Strategie wählen — manuell, regelbasiert oder KI-gestützt
Das Herzstück des Projekts: Wie kommt jeder Artikel zu seiner Klasse? In der Praxis gibt es drei Wege, die sich kombinieren lassen.
Manuell: Artikel für Artikel zuordnen
Eine Fachkraft sucht pro Artikel die passende Klasse im Standard und ordnet sie zu. Das ist die genaueste Methode — und die teuerste. Als redaktionelle Faustzahl aus Projekterfahrung (keine Norm, dein Wert hängt stark vom Sortiment ab): Rechne mit 3 bis 6 Minuten pro Artikel, wenn die Person Sortiment und Standard kennt — inklusive Klassensuche, aber ohne Merkmalbefüllung. Bei 10.000 Artikeln sind das grob 500 bis 1.000 Personenstunden allein fürs Zuordnen.
Manuell ist trotzdem der richtige Weg, wenn der Bestand klein ist (bis zu einigen Hundert Artikeln), das Sortiment sehr heterogen ist oder es um erklärungsbedürftige Spezialprodukte geht, bei denen jede Fehlklassifikation teuer wird.
Regelbasiert: Warengruppen und Muster nutzen
Statt Artikel einzeln anzufassen, definierst du Regeln: "Alle Artikel der Warengruppe 4711 → Klasse X", "Bezeichnung enthält 'Sechskantschraube' → Klasse Y". Das skaliert gut, wenn deine internen Strukturen sauber sind — eine Warengruppe mit 800 homogenen Artikeln ist mit einer einzigen Regel erledigt. Der Haken: Regeln sind nur so gut wie die Struktur dahinter. Mischgruppen ("Sonstiges", "Zubehör") und kreative Bezeichnungslogik reißen Löcher, die du am Ende doch manuell stopfst.
KI-gestützt: Vorschläge maschinell, Entscheidung menschlich
Moderne PIM-Systeme wie entitys unterstützen die Klassifizierung mit KI: Das System analysiert Bezeichnungen, Beschreibungen und vorhandene Attribute eines Artikels und schlägt die wahrscheinlichste Klasse im Zielstandard vor — inklusive Alternativen, wenn die Zuordnung nicht eindeutig ist. Der Mensch prüft und bestätigt, statt selbst im Klassenbaum zu suchen. Aus der Klassifizierungsarbeit wird Prüfarbeit — und die ist um ein Vielfaches schneller, weil Bestätigen und Korrigieren in Sekunden geht, wo Suchen Minuten dauert.
Der zweite Hebel ist noch größer: vorklassifizierte Datensätze. In der entitys Cloud liegen über 20 Millionen bereits klassifizierte Produktdatensätze. Findet sich dein Artikel — oder ein baugleicher — dort wieder, übernimmst du Klasse und Merkmale, statt bei null anzufangen. Kunden erreichen damit eine Aufwandsreduktion von 80 % gegenüber der Klassifizierung von Hand. Gerade im Handel, wo Sortimente sich zwischen Anbietern stark überschneiden, ist das der Unterschied zwischen einem Monats- und einem Jahresprojekt.
Die drei Strategien im Vergleich
Kriterium | Manuell | Regelbasiert | KI-gestützt + vorklassifizierte Daten |
|---|---|---|---|
Geeignet für | Kleine oder sehr spezielle Bestände | Saubere Warengruppen, homogene Blöcke | Große Bestände, Standardsortimente |
Aufwand pro Artikel | Minuten | Sekunden (nach Regelaufbau) | Sekunden (Prüfen statt Suchen) |
Vorarbeit | Keine | Regelwerk erstellen und pflegen | Daten konsolidiert bereitstellen |
Typisches Risiko | Ermüdungsfehler, Inkonsistenz zwischen Bearbeitern | Mischgruppen fallen durchs Raster | Ungeprüfte Übernahme falscher Vorschläge |
Menschliche Prüfung | Ist der Prozess | Stichproben je Regel | Pflicht — Vorschlag ist nicht Entscheidung |
In der Praxis fährst du fast immer hybrid: Regeln und KI erledigen die Masse, die Fachkraft konzentriert sich auf die Fälle, in denen es auf ihr Wissen ankommt.
Schritt 4: Merkmale befüllen — die eigentliche Arbeit
Die Klasse zuzuordnen ist die halbe Miete. Den Wert liefern die Merkmale: Jede Klasse bringt in eCLASS und ETIM einen definierten Merkmalsatz mit — Spannung, Material, Abmessung, Schutzart. Erst befüllte Merkmale machen deine Daten für Abnehmer filterbar und vergleichbar.
Pflicht vor Kür: Kläre je Zielkanal, welche Merkmale wirklich gefordert sind, und befülle diese zuerst vollständig — lieber 100 % der Pflichtmerkmale als 40 % von allem.
Einheiten normieren: Die Standards definieren je Merkmal eine Einheit. "1,2 m", "120 cm" und "1200" sind drei Schreibweisen, aber nur ein korrekter Wert. Lege Umrechnungen einmal zentral fest, statt sie jedem Bearbeiter zu überlassen.
Wertelisten respektieren: Viele Merkmale erlauben nur definierte Werte. Freitext, wo eine Werteliste gefordert ist, fällt bei der Abnehmerprüfung durch.
Auch hier zahlen vorklassifizierte Datensätze ein: Wo Klasse und Merkmale schon vorliegen, reduziert sich die Befüllung auf Abgleich und Ergänzung.
Schritt 5: Qualität sichern, bevor der erste Export rausgeht
Klassifizierte Daten ohne Qualitätssicherung sind ein Risiko mit Ansage — der erste Katalog beim Kunden ist der falsche Ort, um Fehler zu entdecken. Zwei Mechanismen reichen für den Anfang:
Stichproben durch Fachleute: Ziehe pro Warengruppe eine Stichprobe und lass Produktkenner prüfen: Stimmt die Klasse? Sind die Werte plausibel? Fehler treten selten gleichverteilt auf — meist sind es systematische Muster (eine falsch gemappte Warengruppe, eine vertauschte Einheit), die du dann in einem Rutsch korrigierst.
Vollständigkeits-KPIs: Miss laufend zwei Quoten: Anteil klassifizierter Artikel am Gesamtbestand und Anteil befüllter Pflichtmerkmale je Klasse. Beides gehört auf ein Dashboard, nicht in eine einmalige Auswertung.
Warum sich die Sorgfalt lohnt, zeigen die Größenordnungen: Gartner beziffert die Kosten schlechter Datenqualität auf durchschnittlich 12,9 Mio. USD pro Jahr und Unternehmen, und rund 40 % der Retouren gehen laut Shotfarm auf schlechte Produktdaten zurück. Klassifikation ist einer der wirksamsten Hebel dagegen — aber nur, wenn sie stimmt.
Schritt 6: Laufender Betrieb — Klassifizierung ist kein Projekt mit Enddatum
Nach dem initialen Durchstich ändert sich die Aufgabe, sie verschwindet nicht:
Neue Artikel: Jeder neue Artikel wird bei der Anlage klassifiziert, nicht "später mal gesammelt". Ein PIM-System erzwingt das über Pflichtfelder und Workflows — in Excel erodiert die Quote schleichend.
Versionswechsel: Die Standards leben. eCLASS steht bei Version 16, ETIM 11.0 kommt zum 01.12.2026. Bei jedem Release gilt: prüfen, welche deiner Klassen sich geändert haben, migrieren, wenn Abnehmer die neue Version fordern — und nicht vorauseilend wechseln, solange deine Kanäle auf der alten Version stehen.
Zweitstandard: Kommt später ein zweiter Standard dazu, willst du nicht neu anfangen. Ein System, das Artikel parallel in mehreren Klassifikationen führt, macht aus dem zweiten Standard ein Mapping-Thema statt eines zweiten Projekts.
Typische Fehler beim Klassifizieren — und wie du sie vermeidest
In Excel klassifizieren: Ohne Validierung gegen den offiziellen Klassenbaum entstehen Tippfehler in Klassen-IDs und veraltete Codes, die erst beim Import auffallen. Klassifiziere im System, das die Standardstruktur kennt.
Klasse ohne Merkmale: Ein Bestand, der "zu 100 % klassifiziert" ist, aber leere Merkmalleisten hat, hilft keinem Abnehmer. Miss beides.
Zu tief oder zu flach einordnen: Wer bequem auf einer Oberklasse parkt, verliert die spezifischen Merkmale; wer krampfhaft die spezifischste Klasse sucht, wo das Produkt nicht hingehört, produziert Fehlklassifikationen. Im Zweifel: die Klasse, deren Merkmalsatz das Produkt am besten beschreibt.
Versionschaos: Teilbestände in unterschiedlichen Standardversionen sind beim Export schlimmer als gar keine Klassifikation. Eine Version je Standard, dokumentiert, für alle.
KI-Vorschläge blind übernehmen: KI-Mapping beschleunigt die Arbeit massiv, ersetzt aber nicht die fachliche Prüfung. Der Vorschlag ist ein Startpunkt, die Freigabe bleibt beim Menschen.
Rechnet sich das? Eine ehrliche Aufwands-Nutzen-Betrachtung
Nimm ein hypothetisches Beispiel: ein technischer Händler mit 10.000 aktiven Artikeln. Rein manuell wären das — mit der Faustzahl von oben — 500 bis 1.000 Personenstunden nur für die Klassenzuordnung, die Merkmalbefüllung kommt obendrauf. Das erklärt, warum solche Projekte in Excel regelmäßig versanden.
Mit der Kombination aus Regeln, KI-Vorschlägen und vorklassifizierten Datensätzen dreht sich die Rechnung: Bei 80 % Aufwandsreduktion durch vorklassifizierte Datensätze bleibt von 1.000 Stunden ein Bruchteil übrig, den eine Fachkraft neben dem Tagesgeschäft stemmen kann. Dem Aufwand gegenüber stehen handfeste Erträge: Listungsfähigkeit bei Kunden und Plattformen, die eCLASS oder ETIM voraussetzen, filterbare Daten in jedem Kanal — und im Einkauf lassen sich mit sauber klassifizierten Daten signifikant Kosten sparen. Dass entitys eCLASS Gold Preferred Partner ist, hilft dabei ganz praktisch: Die Standards sind im System aktuell gepflegt, statt dass du Releases selbst nachziehst.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es, 10.000 Artikel zu klassifizieren?
Ehrliche Antwort: je nach Methode zwischen wenigen Wochen und über einem Jahr. Rein manuell sind es als Erfahrungswert 500 bis 1.000 Personenstunden nur für die Klassenzuordnung — neben dem Tagesgeschäft schnell ein Jahresprojekt. Mit Regeln, KI-Vorschlägen und vorklassifizierten Datensätzen (bis zu 80 % Aufwandsreduktion) schrumpft dieselbe Aufgabe auf Wochen. Die Merkmalbefüllung ist dabei der größere Block als die Klassenzuordnung selbst.
Kann ich Produkte auch ohne PIM-System klassifizieren?
Technisch ja — für kleine Bestände funktioniert eine sorgfältig gepflegte Tabelle. Ab ein paar Tausend Artikeln fehlen dir aber Validierung gegen den Klassenbaum, Pflichtmerkmal-Prüfung und Vollständigkeits-KPIs. Genau dort entstehen die Fehler, die später Abnehmer finden. Ein PIM macht Klassifizierung nicht nur schneller, sondern vor allem haltbar.
Muss ich eCLASS und ETIM parallel pflegen?
Wenn deine Abnehmer beides fordern: ja — aber nicht doppelt von Hand. Führe einen Standard als führend und mappe in den zweiten. Welcher Standard für welche Branche passt, klärt unser Vergleich von eCLASS und ETIM.
Reichen meine internen Warengruppen nicht aus?
Nein — Warengruppen sind eine interne Ordnungslogik, Klassifikationen ein branchenweiter Standard mit definierten Merkmalen. Als Startpunkt fürs Mapping sind Warengruppen aber Gold wert. Die Details dazu stehen im Leitfaden Warengruppen vs. Klassifikationen.
Was passiert bei einem Versionswechsel des Standards?
Neue Versionen ändern, ergänzen und streichen Klassen und Merkmale — ETIM 11.0 kommt etwa zum 01.12.2026. Du migrierst, wenn deine Abnehmer die neue Version verlangen, nicht automatisch beim Release. In einem gepflegten PIM ist das ein geführter Mapping-Schritt; in Excel ist es faktisch eine Neuklassifizierung.
Der schnellste Weg zu einem klassifizierten Bestand
Produkte zu klassifizieren ist kein Hexenwerk, aber ein Prozess mit klaren Schritten: Bestand einschätzen, Standard und Version festlegen, die Masse mit Regeln und KI erledigen, Merkmale gezielt befüllen, Qualität messen — und das Ganze in den Regelbetrieb überführen. Wenn du wissen willst, wie viel deines Bestands sich über die 20 Millionen vorklassifizierten Datensätze in der entitys Cloud abdecken lässt, sprich mit uns: Vereinbare ein Gespräch — wir schauen uns deine Ausgangslage gemeinsam an.
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