
EuroCat: Was der europäische Nachfolger des BMEcat für deine Katalogdaten bedeutet
Die erste europäische Norm für digitale Produktkataloge baut auf dem BMEcat auf – was Stand September 2026 belegt ist und warum du jetzt nicht in Aktionismus verfallen musst.
Seit über 25 Jahren ist der BMEcat das Standardformat, wenn Lieferanten ihre Produktkataloge an Einkaufsplattformen, Großhändler oder E-Procurement-Systeme übergeben. Jetzt bekommt er einen europäischen Nachfolger: EuroCat, die erste europäische Normenserie für den Austausch digitaler Produktkataloge. Im April 2026 hat der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) die Verabschiedung gemeldet, im Mai 2026 wurde die Norm auf den 17. BME-eLÖSUNGSTAGEN in Düsseldorf offiziell vorgestellt.
Eine Begriffsklärung vorweg: EUROCAT ist auch der Produktname einer Mähwerk-Baureihe des Landtechnikherstellers Pöttinger und der Name eines europäischen medizinischen Registers. Dieser Artikel behandelt ausschließlich den Katalogdaten-Standard EuroCat aus der BMEcat-Welt, also das Austauschformat für elektronische Produktkataloge im B2B-Handel und in der Beschaffung.
Die Faktenlage zu EuroCat ist noch dünn, der Standard ist frisch verabschiedet und vieles ist in Arbeit. Deshalb halten wir diesen Artikel bewusst kurz und faktenfokussiert. Alles hier Beschriebene ist Stand September 2026.
Das Wichtigste in Kürze
EuroCat ist die erste europäische Normenserie für digitale Produktkataloge. Sie baut direkt auf den Strukturen des deutschen BMEcat auf und wurde maßgeblich von den ursprünglichen BMEcat-Entwicklern Prof. Dr. Frank-Dieter Dorloff und Dr. Veit Jahns mitgestaltet.
BMEcat bleibt kompatibel. Ein sogenanntes Syntax Binding wird erarbeitet, damit bestehende BMEcat-Kataloge europaweit standardkonform weitergenutzt werden können, ohne dass Datenstrukturen neu aufgebaut werden müssen.
Es gibt keinen akuten Handlungsdruck. Wer heute saubere, klassifizierte Produktdaten pflegt und valide BMEcat-Kataloge erzeugen kann, ist für EuroCat vorbereitet. Der Formatwechsel wird dann ein Export-Thema, kein Projekt.
Was ist EuroCat?
EuroCat ist der Name der ersten offiziellen europäischen Normenserie für den Austausch digitaler Produktkataloge. Sie entsteht im Umfeld der europäischen Normung für elektronische Beschaffung (beim europäischen Normungskomitee CEN arbeitet das Technische Komitee CEN/TC 440 "Electronic Public Procurement" mit einer eigenen Arbeitsgruppe für E-Kataloge; dort läuft der Katalogteil unter der Bezeichnung EN 17015-2).
Inhaltlich ist EuroCat keine Revolution, sondern eine Europäisierung: Als Vorlage diente der BMEcat, das seit 1999 vom BME getragene und weltweit verbreitete XML-Format für komplexe elektronische Kataloge. An der Entwicklung von EuroCat waren neben den BMEcat-Schöpfern internationale Experten unter anderem aus Schweden, den Niederlanden, Ungarn, Zypern, Dänemark und Finnland beteiligt.
Neu ist vor allem die Einbettung in die europäische E-Procurement-Normenlandschaft. EuroCat deckt auch sogenannte Pre-Award-Kataloge ab, also Produktkataloge, die bereits in der Ausschreibungsphase einer (insbesondere öffentlichen) Beschaffung eingesetzt werden, und soll Katalogdaten besser mit vor- und nachgelagerten Prozessen wie Bestellung und Rechnung verzahnen.
EuroCat und BMEcat: Ersatz oder Erweiterung?
Die wichtigste Botschaft des BME an alle Unternehmen, die heute BMEcat im Einsatz haben: Der BMEcat bleibt kompatibel. Damit bestehende Kataloge nicht neu gebaut werden müssen, wird ein Syntax Binding erarbeitet, ein Regelwerk, das beschreibt, wie BMEcat-Daten verlustfrei und standardkonform im Sinne der europäischen Norm eingesetzt werden können. Wer heute in BMEcat-Strukturen investiert, investiert also nicht in ein Auslaufmodell, sondern in die Grundlage des europäischen Standards.
Offen ist Stand September 2026 noch vieles Praktische: Das Syntax Binding ist angekündigt, aber noch nicht final veröffentlicht, und es gibt noch keine breite Werkzeug- und Plattformunterstützung. Kein einziges uns bekanntes Zielsystem verlangt aktuell einen EuroCat-Katalog. Konkret angefordert werden weiterhin BMEcat 1.2 und BMEcat 2005, im ETIM-Umfeld zunehmend ergänzt um ETIM xChange.
Die Katalogformat-Landschaft 2026 im Überblick
EuroCat ist nicht die einzige Bewegung in der Formatwelt. Damit du die Entwicklung einordnen kannst, hier die drei Ebenen nebeneinander:
Format | Was es ist | Status 2026 | Relevanz für dich |
|---|---|---|---|
BMEcat 1.2 / 2005 | Etabliertes XML-Katalogformat des BME (Versionen von 2001 und 2005) | De-facto-Standard, wird von Marktplätzen, Großhändlern und E-Procurement-Systemen konkret angefordert | Heute beherrschen: valide Kataloge liefern können |
ETIM xChange | JSON-basiertes Austauschformat von ETIM International, designierter Nachfolger des ETIM-BMEcat für ETIM-klassifizierte Daten (Version 2.0 seit November 2025) | Wird schrittweise von ersten Datenempfängern angenommen, BMEcat läuft parallel weiter | Beobachten, falls deine Kunden ETIM-Daten beziehen |
EuroCat | Erste europäische Normenserie für digitale Produktkataloge, baut auf BMEcat auf | Verabschiedet und im Mai 2026 vorgestellt; Syntax Binding zu BMEcat in Arbeit, noch keine breite Praxisanforderung | Beobachten, keine akuten Maßnahmen nötig |
Einen ausführlichen Überblick über die dahinterliegenden Klassifikationssysteme wie ETIM und ECLASS findest du in unserem Leitfaden zu den wichtigsten Klassifikationsstandards.
Was du jetzt tun solltest (und was nicht)
Aus unserer Sicht ergibt sich daraus eine unaufgeregte To-do-Liste:
Heute BMEcat sauber beherrschen. Alles, was EuroCat transportieren wird, steckt strukturell schon im BMEcat: Artikelstammdaten, Preise, Medien, Klassifikationen und Merkmale. Wer heute auf Anfrage einen validen, vollständig klassifizierten BMEcat liefern kann, hat die eigentliche Arbeit bereits erledigt.
Die Formatentwicklung beobachten, nicht vorauseilen. Warte ab, bis das Syntax Binding veröffentlicht ist und deine Datenempfänger (Marktplätze, Einkaufsplattformen, Großhändler) EuroCat oder ETIM xChange konkret anfordern. Vorher in Konvertierungen zu investieren bringt nichts.
Die Datenbasis vom Format entkoppeln. Das ist der entscheidende Punkt: Formate kommen und gehen, deine Produktdaten bleiben. Liegen sie zentral, strukturiert und klassifiziert in einem PIM-System, ist jedes neue Zielformat ein Export-Thema, also eine neue Ausgabeschablone auf denselben Daten. Liegen sie verstreut in Excel-Listen und ERP-Feldern, wird jeder Formatwechsel zum Projekt.
Genau dieses Muster haben wir schon bei früheren Übergängen gesehen, etwa von Print- zu elektronischen Katalogen oder bei neuen ETIM- und ECLASS-Versionen: Nicht das Format entscheidet über den Aufwand, sondern der Zustand der Daten dahinter.
Und für den BMEcat, den du heute schon ausleitest: Der kostenlose BMEcat-Validator zeigt dir in Sekunden, ob dein Katalog formal sauber ist — saubere BMEcat-Daten sind auch die beste Startposition für jeden Nachfolgestandard.
Häufig gestellte Fragen
Ersetzt EuroCat den BMEcat?
Nein, jedenfalls nicht kurzfristig. EuroCat baut auf den BMEcat-Strukturen auf, und der BME hat angekündigt, dass BMEcat kompatibel bleibt. Ein Syntax Binding soll sicherstellen, dass bestehende BMEcat-Kataloge europaweit standardkonform weitergenutzt werden können. BMEcat 1.2 und 2005 bleiben auf absehbare Zeit die Formate, die in der Praxis angefordert werden.
Muss ich jetzt handeln?
Nein. Stand September 2026 verlangt kein relevantes Zielsystem EuroCat-Kataloge, und das Syntax Binding ist noch in Arbeit. Sinnvoll ist jetzt nur eines: die eigene Datenbasis so aufzustellen (zentral, klassifiziert, exportfähig), dass ein späterer Formatwechsel kein Projekt wird.
Was ist der Unterschied zwischen EuroCat und ETIM xChange?
ETIM xChange ist das JSON-basierte Austauschformat von ETIM International und der designierte Nachfolger des ETIM-BMEcat, also spezialisiert auf ETIM-klassifizierte Produktdaten. EuroCat ist breiter angelegt: eine europäische Normenserie für digitale Produktkataloge generell, mit Fokus auf die gesamte (auch öffentliche) Beschaffungskette. Beide Entwicklungen laufen parallel und ersetzen den BMEcat nicht von heute auf morgen.
Wer steckt hinter EuroCat?
Die Norm entstand im Umfeld der europäischen Normung für elektronische Beschaffung, maßgeblich mitentwickelt von Prof. Dr. Frank-Dieter Dorloff und Dr. Veit Jahns, den Schöpfern des BMEcat, gemeinsam mit Experten aus mehreren europäischen Ländern. In Deutschland kommuniziert der BME, der Trägerverband des BMEcat, die Einführung.
Woher bekomme ich verlässliche Updates zu EuroCat?
Die verlässlichste Quelle ist der BME selbst (bme.de), der die Verabschiedung im April 2026 gemeldet und die Norm im Mai 2026 vorgestellt hat. Sobald das Syntax Binding und praxisrelevante Anforderungen von Datenempfängern vorliegen, aktualisieren wir diesen Artikel.
Fazit: Ruhe bewahren, Daten vorbereiten
EuroCat ist eine gute Nachricht: Der bewährte BMEcat wird zur Basis eines europäischen Standards, statt von einem Bruch abgelöst zu werden. Handlungsdruck entsteht daraus vorerst nicht. Die beste Vorbereitung ist eine saubere, zentrale Produktdatenbasis, aus der du heute BMEcat und morgen jedes Nachfolgeformat per Export erzeugst. Wenn du wissen willst, wie deine Katalogdaten dafür aufgestellt sein müssen, sprich mit uns: Wir zeigen dir an deinen eigenen Daten, wie der Weg vom aktuellen Stand zum exportfähigen Katalog aussieht.
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