
Lieferantenportale und Datenpools: Produktdaten einmal liefern statt 200-mal
Warum Großhandel und Verbände zentrale Datenpools betreiben, welche Pools im DACH-Raum zählen — und wie du sie als Hersteller aus einer PIM-Quelle bedienst.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Datenpool (oder Lieferantenportal) ist eine zentrale Drehscheibe für Produktdaten: Der Hersteller liefert seine Daten einmal an den Pool — statt an 200 Händler einzeln in 200 Varianten.
Fast jede Branche im DACH-Raum hat ihren eigenen Pool: Open Datacheck (Elektro), Open Datapool (SHK), 2BA (Niederlande), building-masterdata und Heinze (Bau/Haustechnik), der eData-Pool (technischer Handel), nexmart (Werkzeug/Eisenwaren) und GS1/GDSN (Konsumgüter).
Die Eintrittskarte ist fast überall dieselbe: ein BMEcat nach der jeweiligen ETIM-Guideline, saubere Klassifikation, vollständige Pflichtfelder und Medien in definierter Qualität.
Wer mehrere Pools bedient, braucht eine führende Datenquelle: ein PIM-System mit einem Export-Regelwerk je Pool — sonst pflegst du jede Änderung mehrfach.
entitys betreibt mit dem eData-Pool einen eigenen Datenpool für den technischen Handel: über 150.000 Produkteinträge, mehr als 40 Hersteller und über 70 Händler tauschen dort Daten direkt aus.
Warum gibt es Datenpools für Produktdaten überhaupt?
Stell dir einen Elektrotechnik-Hersteller mit 15.000 Artikeln vor, der über den Großhandel verkauft. Jeder Großhändler will Produktdaten: Artikelnummern, technische Merkmale, Bilder, Datenblätter, Logistikdaten. Ohne zentrale Infrastruktur heißt das: Händler A will eine Excel-Liste nach eigener Vorlage, Händler B einen BMEcat, Händler C pflegt ein eigenes Lieferantenportal mit Pflichtfeldern, die sonst niemand fordert. Bei 200 Handelspartnern wird die Datenverteilung zum eigenen Vollzeitjob — und jede Produktänderung muss 200-mal ankommen.
Genau dieses 1-zu-n-Problem lösen Datenpools. Großhandelskooperationen und Branchenverbände betreiben eine zentrale Plattform, an die der Hersteller seine Daten einmal in einem definierten Standardformat liefert. Der Pool prüft die Qualität und verteilt die Daten an alle angeschlossenen Händler — die damit ihre Shops, ERP-Systeme und elektronischen Kataloge befüllen. Der Hersteller spart sich die Einzelverteilung, der Händler bekommt Daten vieler Lieferanten in einem einheitlichen Format aus einer Quelle. Deshalb ist die Einlieferung in die Branchenpools heute in vielen Sortimenten keine Kür mehr, sondern faktische Listungsvoraussetzung beim Großhandel.
Die Kehrseite für dich als Hersteller: Jeder Pool hat seine eigene Guideline — eigenes Zielformat, eigene Pflichtfelder, eigene Medienanforderungen. Wer in drei Branchen verkauft, bedient schnell drei bis fünf Pools mit unterschiedlichen Anforderungen. Ohne zentrale Datenquelle multipliziert sich der Pflegeaufwand wieder — nur an anderer Stelle.
Die wichtigsten Datenpools und Lieferantenportale im DACH-Raum
Die folgende Übersicht zeigt die relevantesten Pools und Portale, sortiert nach Branche. Die Format-Angaben sind der jeweils typische Einlieferungsweg — verbindlich ist immer die aktuelle Guideline des Pools.
Pool / Portal | Branche | Typische Format-Anforderung | Zielgruppe |
|---|---|---|---|
Open Datacheck (ITEK) | Elektrotechnik (weitere Branchenausprägungen z. B. für die Haustechnik) | ETIM BMEcat nach Guideline 4.0.3 bzw. 5.0; Qualitätsprüfung vor Verteilung | Hersteller, die den dreistufigen Vertriebsweg über den Elektrogroßhandel bedienen |
Open Datapool (ZVSHK) mit dem Verzeichnisdienst SHK-Connect | Sanitär, Heizung, Klima | Branchenübliche Austauschformate wie ETIM BMEcat und Datanorm | SHK-Hersteller, Großhandel und Fachhandwerk |
2BA | Installationsbranche Niederlande (für Belgien: InstallData) | ETIM-klassifizierte Produkt- und Handelsdaten | Hersteller mit Vertrieb in den Benelux-Märkten, Großhandel, Installateure |
building-masterdata.com (ARGE Neue Medien) | Haustechnik / Sanitärindustrie, international | Produktdaten inkl. BIM- und Planungsdaten über die ARGE-Plattform | Hersteller der Haustechnik, Großhandel und Marktpartner |
Heinze Lieferantenportal | Bauindustrie | Artikelstammdaten im DPB-Datenstandard | Bauprodukt-Hersteller, Baustoffhandel (z. B. an hagebau angebunden) |
eData-Pool (auf der entitys-Plattform) | Technischer Handel | Einheitliche Klassifizierung nach eCLASS, Ausleitung als BMEcat | Hersteller und technische Händler im DACH-Raum, Schweiz über SDCC-Kooperation |
nexmart | Werkzeuge, Beschläge, Eisenwaren, Garten, technischer Bedarf | Standardisierte Produktdaten plus elektronische Bestellprozesse | Hersteller und Fachhandel in DACH, Benelux, Spanien und Portugal |
GS1 / GDSN | Branchenübergreifend, Schwerpunkt Konsumgüter | GTIN-basierte Stammdaten über zertifizierte GDSN-Datenpools | Hersteller mit Handelspartnern, die GDSN-Synchronisation fordern |
Zwei Einordnungen dazu. Erstens: Die Pool-Landschaft ist in Bewegung — Guidelines, Versionen und Kooperationen ändern sich laufend. Prüfe vor jeder Einlieferung die aktuelle Vorgabe des Pools, nicht den Stand von vor zwei Jahren. Zweitens: GDSN spielt in einer anderen Liga als die ETIM-Welt. Es synchronisiert vor allem logistik- und handelsrelevante Stammdaten über GTIN, während die Branchenpools tiefe technische Merkmalsdaten nach ETIM oder eCLASS transportieren. Viele Hersteller brauchen beides — aus derselben Quelle.
Was Datenpools von Herstellern typischerweise fordern
So unterschiedlich die Pools sind, die Anforderungen ähneln sich strukturell. Wenn du diese fünf Punkte im Griff hast, ist der Weg in fast jeden Pool kurz:
BMEcat nach Guideline: Nicht "irgendein BMEcat", sondern die branchenspezifische ETIM-Guideline des Pools — in der Elektrobranche etwa ETIM BMEcat nach Guideline 4.0.3 oder 5.0. Die Guideline legt fest, welche Felder wie befüllt sein müssen; ein formal gültiger BMEcat kann trotzdem an der Guideline scheitern.
Klassifikation: Jedes Produkt braucht die richtige ETIM-Klasse (aktuell ETIM 10.0, ETIM 11.0 erscheint zum 01.12.2026) bzw. eCLASS-Klasse samt der zugehörigen Merkmale. Unklassifizierte oder falsch klassifizierte Artikel fallen in der Pool-Prüfung durch oder sind für Händler unauffindbar.
Pflichtfelder: Pools definieren Mindestfeldsets — von GTIN und Zolltarifnummer über Verpackungseinheiten bis zu Gefahrgutangaben. Fehlende Pflichtfelder sind der häufigste Ablehnungsgrund bei der Einlieferung.
Medienqualität: Produktbilder, Datenblätter und Dokumente in definierter Auflösung, Benennung und Zuordnung. Ein Datensatz ohne Bild ist für den Händler praktisch wertlos.
Update-Zyklen: Daten einliefern ist kein einmaliges Projekt. Sortimentswechsel, Auslaufartikel und Merkmalskorrekturen müssen regelmäßig nachgeliefert werden — und zwar als sauberes Update, nicht als kompletter Neuimport mit neuen Fehlern.
Der Hersteller-Workflow: vom PIM in den Pool
Der entscheidende Architektur-Gedanke: Der Pool ist ein Ausgabekanal, nicht deine Datenquelle. Wer seine Daten direkt im Portal des Pools pflegt, hat sie beim zweiten Pool schon doppelt. Der belastbare Workflow sieht so aus:
PIM als führende Quelle: Alle Produktdaten — Merkmale, Klassifikationen, Texte, Medien — werden zentral in einem PIM-System gepflegt. Einmal, in voller Tiefe, unabhängig vom Zielformat.
Export-Regelwerk je Pool: Für jeden Pool wird einmalig ein Exportprofil angelegt: Zielformat (z. B. ETIM BMEcat nach der jeweiligen Guideline), Feld-Mapping, Sortimentsfilter, Medienregeln. Danach ist jede weitere Einlieferung ein Knopfdruck, kein Projekt.
Qualitätsprüfung vor der Einlieferung: Vollständigkeits- und Regelprüfungen laufen im PIM, bevor die Datei den Hof verlässt — fehlende Pflichtfelder, unklassifizierte Artikel, Bilder unter Mindestauflösung. So kommt die Fehlerliste von dir, nicht vom Pool.
Einlieferung und Rückmeldung: Der geprüfte Katalog geht an den Pool, dessen Prüfbericht fließt zurück in die Datenpflege. Beim nächsten Update wiederholt sich der Zyklus — nur eben automatisiert statt handgebaut.
Wie das branchenspezifisch aussieht, haben wir für zwei Pool-intensive Branchen im Detail beschrieben: PIM für die Elektrotechnik (Open Datacheck, ETIM) und PIM für die SHK-Branche (Open Datapool, Datanorm). Zur Einordnung, warum sich der Aufwand lohnt: Unsere Kunden berichten von bis zu 70 % weniger Zeitaufwand in der Datenpflege und bis zu 99 % weniger Datenfehlern, sobald Pflege und Exporte zentral aus dem PIM laufen.
Der eData-Pool: entitys' eigener Datenpool für den technischen Handel
entitys ist in diesem Ökosystem nicht nur PIM-Anbieter, sondern betreibt mit dem eData-Pool selbst einen Datenpool — als zentrale Datendrehscheibe für Hersteller und Händler im technischen Handel, auf Basis der cloudbasierten entitys-Plattform. Aktuell sind dort über 150.000 Produkteinträge von mehr als 40 Herstellern verfügbar, auf die über 70 Händler zugreifen.
Das Prinzip ist dasselbe wie bei den großen Branchenpools, die Mechanik aber bewusst direkt gehalten: Als Hersteller sammelst, pflegst und verteilst du deine Daten zentral im Pool und steuerst selbst, ob alle angeschlossenen Händler oder nur ausgewählte Kunden deine Daten erhalten. Nach einem Update werden die angeschlossenen Händler direkt informiert. Als Händler bekommst du Originaldaten direkt vom Hersteller — technische Merkmale, Beschreibungen, Medien und Datenblätter in einem Datensatz, einheitlich nach eCLASS klassifiziert. Über Sub-Projekte stellst du eigene Sortimente aus mehreren Herstellern zusammen und leitest sie per BMEcat oder Serverschnittstelle in deine Zielsysteme aus. Für den Schweizer Markt besteht eine Kooperation mit dem SDCC (Swiss Data Clearing Center).
Für entitys-Kunden ist das der kürzeste denkbare Weg: Die Daten liegen bereits in der Plattform, auf der auch der Pool läuft — Pflege, Qualitätssicherung und Verteilung passieren im selben System. Alle Details und die Teilnahme-Möglichkeiten findest du auf der eData-Pool-Seite.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Datenpool und einem Lieferantenportal?
Die Begriffe überschneiden sich. Ein Datenpool ist die zentrale Drehscheibe, die Produktdaten vieler Hersteller sammelt, prüft und an viele Abnehmer verteilt (z. B. Open Datacheck, 2BA, eData-Pool). Ein Lieferantenportal ist die Einlieferungs-Oberfläche eines einzelnen Abnehmers oder Betreibers, über die Hersteller Daten bereitstellen (z. B. das Heinze Lieferantenportal). In der Praxis werden beide Begriffe oft synonym verwendet — entscheidend sind die Format- und Qualitätsanforderungen dahinter.
In welchem Format muss ich meine Produktdaten an einen Datenpool liefern?
In den technischen Branchen fast immer als BMEcat nach der branchenspezifischen ETIM-Guideline — in der Elektrobranche etwa nach Guideline 4.0.3 oder 5.0. Daneben existieren je nach Pool weitere Wege wie Excel-Vorlagen oder branchenspezifische Formate (etwa Datanorm im SHK-Umfeld und DPB im Bau). Verbindlich ist immer die aktuelle Guideline des jeweiligen Pools.
Muss ich als Hersteller in jeden Pool einliefern?
Nein — sondern in die Pools, über die deine Handelspartner ihre Daten beziehen. Frag deine wichtigsten Händler, aus welcher Quelle sie Lieferantendaten übernehmen, und priorisiere danach. In vielen Sortimenten ist die Einlieferung in den Branchenpool allerdings faktische Voraussetzung für die Listung im Großhandel.
Brauche ich ein PIM-System, um Datenpools zu bedienen?
Für einen einzelnen Pool mit kleinem Sortiment geht es zur Not auch mit Excel und einem Konverter. Sobald mehrere Pools, regelmäßige Updates oder vierstellige Artikelzahlen im Spiel sind, wird ein PIM als führende Quelle mit einem Exportprofil je Pool zum entscheidenden Hebel: Du pflegst jede Änderung einmal statt je Pool — unsere Kunden erreichen damit bis zu 70 % weniger Zeitaufwand in der Datenpflege.
Was ist der eData-Pool von entitys?
Der eData-Pool ist der Datenpool für den technischen Handel auf Basis der entitys-Plattform: über 150.000 Produkteinträge, mehr als 40 Hersteller, über 70 Händler. Hersteller verteilen ihre Daten gezielt an angeschlossene Händler, Händler bilden eigene Sortimente und leiten die eCLASS-klassifizierten Daten per BMEcat oder Schnittstelle in ihre Zielsysteme aus.
Fazit: Einmal liefern statt 200-mal
Datenpools und Lieferantenportale sind die Antwort der Branchen auf ein reales Problem: Produktdaten müssen vom Hersteller zu Hunderten Händlern — und zwar vollständig, klassifiziert und aktuell. Wer die Pool-Landschaft seiner Branche kennt, die Guideline-Anforderungen ernst nimmt und seine Daten aus einer führenden PIM-Quelle mit sauberen Exportprofilen ausspielt, macht aus der Dauerbaustelle Datenverteilung einen automatisierten Prozess. Und im technischen Handel geht es mit dem eData-Pool sogar noch einen Schritt direkter: Pflege, Qualitätssicherung und Verteilung in einer Plattform.
Du willst wissen, welche Pools für dein Sortiment relevant sind und wie du sie aus einer Quelle bedienst? Sprich mit uns — wir schauen uns deine Kanal-Landschaft gemeinsam an.
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