
PIM für die Elektrotechnik: In 5 Schritten zu ETIM-Daten, die der Großhandel akzeptiert
Warum ETIM und BMEcat im dreistufigen Vertriebsweg faktisch Pflicht sind – und wie du deine Produktdaten portalfähig machst.
Kaum eine Branche stellt so harte Anforderungen an Produktdaten wie die Elektrotechnik. Wer als Hersteller in den dreistufigen Vertriebsweg liefert, kommt an ETIM nicht vorbei: Der Großhandel erwartet klassifizierte Daten, die Datenportale prüfen sie automatisiert, und alle zwei Jahre steht der nächste ETIM-Versionswechsel an. Excel-Listen und ERP-Kurztexte reichen dafür nicht mehr. Dieser Artikel zeigt dir, warum die Anforderungen in der Elektrobranche so hoch sind und wie du mit einem PIM-System in fünf Schritten vom Datenchaos zur ETIM-klassifizierten, portalfähigen Datenbasis kommst.
Das Wichtigste in Kürze: ETIM ist im deutschen Elektrogroßhandel keine gesetzliche, aber eine faktische Pflicht: Ohne ETIM-klassifizierte Daten im BMEcat-Format nach ETIM Guideline listet dich der dreistufige Vertriebsweg praktisch nicht. Aktuell ist ETIM 10.0 mit rund 5.600 Klassen; ETIM 11.0 erscheint zum 01.12.2026 und macht Klassifikation zur Daueraufgabe. Ein PIM-System führt ETIM-Klassen und -Merkmale zentral und exportiert BMEcat-Kataloge automatisiert, statt sie pro Abnehmer manuell zu bauen.
Warum die Elektrobranche die härtesten Produktdaten-Anforderungen hat
In vielen Branchen sind Produktdaten ein Marketing-Thema. In der Elektrotechnik sind sie eine Zulassungsbedingung für den Vertriebsweg. Das hat vier strukturelle Gründe.
1. Der dreistufige Vertriebsweg macht ETIM zur faktischen Pflicht
Elektrotechnische Produkte laufen klassisch über drei Stufen: Hersteller, Elektrogroßhandel, Elektrohandwerk. Der Großhandel führt zehntausende Artikel von hunderten Herstellern und kann unstrukturierte Datenblätter nicht artikelweise nachpflegen. Deshalb hat sich die Branche früh auf ETIM als gemeinsames Klassifikationsmodell geeinigt: Jeder Artikel bekommt eine ETIM-Klasse (etwa "Leitungsschutzschalter") mit fest definierten technischen Merkmalen und Werten. Nur so kann der Großhandel Produkte verschiedener Hersteller vergleichbar machen, in Webshops filterbar anbieten und dem Handwerk verlässliche Auswahlkriterien liefern. Wer keine ETIM-Daten liefert, ist für viele Großhändler schlicht nicht listbar – unabhängig davon, wie gut das Produkt ist.
2. BMEcat nach ETIM Guideline ist das Austauschformat
Die Klassifikation allein reicht nicht, sie muss auch transportiert werden. Das Standardformat dafür ist der BMEcat: ein XML-Katalogformat, das Artikelstammdaten, Preise, Medien und die ETIM-Klassifikation in einer Datei bündelt. Die Elektrobranche nutzt BMEcat nach der ETIM BMEcat Guideline, aktuell in Version 5.0, die genau festlegt, wie ETIM-Klassen und -Merkmale im Katalog abgebildet werden. Großhändler und Datenportale validieren eingehende Kataloge gegen diese Guideline – ein formal fehlerhafter BMEcat fliegt im Zweifel komplett zurück. Für ältere Warenwirtschaftsprozesse im Handwerk spielt daneben DATANORM weiterhin eine Rolle, sodass Hersteller oft mehrere Formate parallel bedienen müssen.
3. Datenportale prüfen deine Daten automatisiert
Zwischen Hersteller und Großhandel sitzen in der Elektrobranche zentrale Datendrehscheiben. Die wichtigste im deutschen Markt ist Open Datacheck Elektro: Hersteller liefern ihre Produktstammdaten dort zentral ein, die Plattform prüft Vollständigkeit und Qualität anhand eines Punktesystems, und angeschlossene Großhändler beziehen die Daten von dort. Deine Datenqualität wird damit messbar und für deine Handelspartner sichtbar. Im Benelux-Raum übernimmt InstallData eine vergleichbare Rolle für die Installationsbranche, ebenfalls auf ETIM-Basis. Wer international in den Elektro- und Installationsmarkt liefert, muss also mehrere Portale mit konsistenten, klassifizierten Daten bedienen. Mehr zum Prinzip solcher Katalogaustausch-Prozesse liest du im Artikel über elektronische Kataloge.
4. ETIM-Versionswechsel sind ein Dauerthema
ETIM ist kein statischer Standard. Aktuell ist ETIM 10.0 (veröffentlicht im Dezember 2024, rund 5.600 Klassen), die nächste Version ETIM 11.0 erscheint zum 01.12.2026. Mit jeder Version kommen Klassen hinzu, Merkmale und Wertelisten ändern sich, einzelne Klassen werden zusammengelegt oder ersetzt. Wer sein Sortiment einmal klassifiziert hat, ist also nicht fertig: Bei jedem Versionswechsel müssen die betroffenen Artikel geprüft und migriert werden. In Excel bedeutet das, tausende Zeilen von Hand nachzuziehen – und genau hier trennt sich gepflegte Datenbasis von Datenchaos.
Was schlechte Produktdaten in der Elektrotechnik kosten
Die Kosten schlechter Daten sind gut belegt: Laut Gartner kostet schlechte Datenqualität Unternehmen im Schnitt 12,9 Millionen US-Dollar pro Jahr. Eine Untersuchung von Shotfarm und NPD zeigt zudem, dass rund 40 % der Retouren auf schlechte Produktdaten zurückgehen. In der Elektrotechnik kommt ein branchenspezifischer Effekt dazu: Unvollständige oder falsch klassifizierte Daten bedeuten schlechtere Scores in den Datenportalen, schlechtere Auffindbarkeit in den Shops des Großhandels und im schlimmsten Fall die Nichtlistung. Produktdatenqualität ist hier also kein Ordnungsthema, sondern direkt umsatzrelevant.
In 5 Schritten vom Datenchaos zur portalfähigen ETIM-Datenbasis
Der Weg von verstreuten Excel-Listen, ERP-Kurztexten und PDF-Datenblättern zu einer ETIM-klassifizierten, portalfähigen Datenbasis folgt in der Praxis einem klaren Muster. So gehst du vor:
Schritt 1: Bestandsaufnahme und zentrale Datenbasis schaffen
Sammle zuerst ein, was du hast: Artikelstammdaten aus dem ERP, technische Merkmale aus Excel-Listen der Produktmanager, Bilder und Dokumente von Fileservern. Ziel ist eine zentrale Stelle, an der jeder Artikel genau einmal existiert – mit klarer Verantwortung, wer welche Daten pflegt. Ein PIM-System übernimmt hier die Rolle der führenden Quelle für alle vertriebsrelevanten Produktinformationen, während das ERP führend für Logistik und Preise bleibt.
Schritt 2: Sortiment auf ETIM-Klassen mappen
Ordne jedem Artikel die passende ETIM-Klasse zu. Das ist der fachlich anspruchsvollste Schritt, denn die Klasse bestimmt, welche Merkmale du anschließend füllen musst. Ein PIM, das ETIM als Klassifikationsmodell mitbringt, führt Klassen, Merkmale, Werte und Einheiten versionsgenau im System – du wählst die Klasse, und die zugehörigen Merkmalsfelder stehen automatisch am Artikel. In der entitys-Cloud liegen darüber hinaus über 20 Millionen bereits klassifizierte Produktdatensätze; für Händler bedeutet das, dass viele Artikel gängiger Hersteller nicht neu klassifiziert werden müssen. Nach veröffentlichten Kundenmetriken reduziert das den Aufwand um bis zu 80 %.
Schritt 3: Merkmale befüllen und Datenqualität messen
Jetzt füllst du die ETIM-Merkmale: Nennstrom, Polzahl, Schutzart, Bemessungsspannung – je nach Klasse. Wichtig ist, den Fortschritt messbar zu machen: Vollständigkeit pro Klasse, pro Zielkanal, pro Verantwortlichem. Gute PIM-Systeme zeigen dir Vollständigkeits-Dashboards und validieren Werte gegen die ETIM-Wertelisten, sodass Tippfehler und unzulässige Einheiten gar nicht erst in den Export gelangen. Veröffentlichte entitys-Kundenmetriken zeigen, was strukturierte Pflege bringt: bis zu 70 % weniger Zeitaufwand in der Datenpflege und bis zu 99 % weniger Datenfehler.
Schritt 4: BMEcat-Export automatisieren
Sind Klassifikation und Merkmale im PIM gepflegt, wird der BMEcat vom Projekt zur Formatfrage: Das System generiert den Katalog nach ETIM Guideline auf Knopfdruck – inklusive Medienreferenzen und kundenspezifischer Sichten, etwa unterschiedlicher Sortimente oder Preislisten je Großhändler. Statt pro Abnehmer wochenlang eine XML-Datei zu bauen, konfigurierst du den Export einmal und aktualisierst ihn danach beliebig oft. Auch parallele Formate wie DATANORM oder Excel-Exporte für einzelne Abnehmer laufen dann aus derselben Datenbasis.
Schritt 5: Portale bedienen und Versionswechsel managen
Mit der stehenden Datenbasis lieferst du an Open Datacheck, Großhändler und internationale Portale aus einer Quelle – und verbesserst deine Scores systematisch, weil du Lücken zentral siehst und schließt. Den ETIM-Versionswechsel (als Nächstes: ETIM 11.0 zum 01.12.2026) planst du als wiederkehrende Aufgabe ein: Im PIM identifizierst du die betroffenen Klassen, migrierst die Artikel gezielt und exportierst anschließend Kataloge in der neuen Version, ohne das restliche Sortiment anzufassen.
Excel vs. PIM: der Unterschied im Elektro-Alltag
Aufgabe | Mit Excel und ERP-Bordmitteln | Mit PIM |
|---|---|---|
ETIM-Klassen und Merkmale führen | Merkmalslisten manuell nachbauen und aktuell halten | ETIM-Modell versionsgenau im System, Merkmale automatisch je Klasse |
Werte validieren | Sichtprüfung, Fehler fallen erst beim Abnehmer auf | Validierung gegen ETIM-Wertelisten und Einheiten beim Erfassen |
BMEcat erstellen | Manuell oder per Einzelskript je Abnehmer | Konfigurierter Export nach ETIM Guideline, beliebig wiederholbar |
Mehrere Portale und Kunden beliefern | Je Empfänger eine eigene Dateikopie, Stände laufen auseinander | Eine Datenbasis, mehrere Ausleitungen |
ETIM-Versionswechsel | Alle Listen von Hand migrieren | Betroffene Klassen identifizieren und gezielt migrieren |
Wie ETIM und eCLASS zusammenspielen – etwa wenn deine Industriekunden zusätzlich eCLASS fordern – liest du im Artikel PIM, eCLASS und ETIM. Ein PIM führt beide Standards parallel am selben Artikel, sodass du Elektrogroßhandel und Industrie-Beschaffung aus einer Quelle bedienst.
Wann ein PIM für Elektrotechnik (noch) nicht passt
Ein PIM ist kein Selbstzweck. In drei Situationen lohnt sich der Schritt (noch) nicht:
Sehr kleines, stabiles Sortiment: Wenn du wenige hundert Artikel führst, die sich selten ändern, und nur ein bis zwei Abnehmer Daten anfordern, kannst du ETIM-Pflege und BMEcat-Erstellung noch mit Excel und Dienstleister-Unterstützung stemmen.
Kein Draht zum Vertriebsweg: Verkaufst du ausschließlich direkt an Endkunden und verlangt niemand ETIM- oder BMEcat-Daten von dir, ist der Standarddruck geringer – dann sind Shop- und Content-Themen meist wichtiger als ein Klassifikationsprojekt.
Die Basisdaten fehlen komplett: Wenn technische Merkmale bisher nirgends digital vorliegen, sondern nur in Papier-Datenblättern, steht vor dem PIM erst die Datenerhebung. Ein PIM beschleunigt die Strukturierung, ersetzt aber nicht die fachliche Erfassung.
Trifft keiner dieser Punkte auf dich zu – wachsendes Sortiment, mehrere Großhandels- und Portalanforderungen, wiederkehrende Versionswechsel – ist ein PIM in der Elektrobranche weniger eine Frage des Ob als des Wann.
Wie schnell geht das mit entitys?
entitys ist ein Self-Service-Cloud-PIM für den B2B-Mittelstand: Fachanwender aus Produktmanagement und Vertrieb arbeiten direkt im System, ohne von einem Implementierungspartner abhängig zu sein. Eine komplette Einführung dauert 6 bis 13 Wochen in 5 Sprints (Ramp-up, Datenmodell, Datenimport, Export & Anbindung, Schulung & Go-Live) – branchenüblich sind 5 bis 12 Monate. Die Preise sind öffentlich, der Einstieg liegt bei 1.590 € pro Monat (alle Preise). In der Elektrobranche setzt mit eltric ein traditionsreicher Elektrogroßhändler auf entitys; dazu kommen Referenzen aus dem technischen Handel wie PCH Technischer Handel oder Werkzeugstore24, die mit vergleichbaren Standard- und Kataloganforderungen arbeiten.
Häufig gestellte Fragen
Ist ETIM im Elektrogroßhandel Pflicht?
Gesetzlich nicht, faktisch ja. Der deutsche Elektrogroßhandel und die zentralen Datenportale erwarten ETIM-klassifizierte Daten im BMEcat-Format; ohne sie wirst du bei vielen Großhändlern nicht oder nur eingeschränkt gelistet. ETIM ist damit de facto die Eintrittskarte in den dreistufigen Vertriebsweg.
Welche ETIM-Version ist aktuell – und wann kommt die nächste?
Aktuell ist ETIM 10.0, veröffentlicht im Dezember 2024, mit rund 5.600 Klassen. ETIM 11.0 erscheint zum 01.12.2026. Plane Versionswechsel als wiederkehrende Aufgabe ein: Klassen, Merkmale und Wertelisten ändern sich mit jeder Version.
Was ist der Unterschied zwischen ETIM und BMEcat?
ETIM ist das Klassifikationsmodell: Es definiert Produktklassen mit technischen Merkmalen und Werten. BMEcat ist das Transportformat: eine XML-Katalogdatei, die Stammdaten, Preise, Medien und die ETIM-Klassifikation enthält. Die ETIM BMEcat Guideline (aktuell Version 5.0) legt fest, wie beides zusammen ausgetauscht wird.
Brauche ich als Elektro-Hersteller ETIM und eCLASS?
Häufig ja. ETIM ist der Standard für Großhandel und Handwerk, eCLASS dominiert in der industriellen Beschaffung und bei Konzernkunden. Ein PIM führt beide Klassifikationen parallel am selben Artikel, sodass du beide Welten aus einer Datenbasis bedienst.
Wie lange dauert die Einführung eines PIM für ETIM und BMEcat?
Mit entitys dauert eine komplette Einführung 6 bis 13 Wochen in 5 Sprints – von Ramp-up und Datenmodell über Datenimport bis Export-Anbindung und Go-Live. Branchenüblich sind bei klassischen Projekten 5 bis 12 Monate. Die Dauer hängt vor allem von Sortimentsgröße und Qualität der Ausgangsdaten ab.
Sprich mit uns über deine Produktdaten
Du lieferst in den Elektrogroßhandel oder baust gerade deine ETIM-Datenbasis auf? Dann lass uns über dein Sortiment, deine Abnehmer und den schnellsten Weg zu portalfähigen Daten sprechen. Vereinbare ein unverbindliches Gespräch – wir zeigen dir an deinen eigenen Artikeln, wie der Weg von Excel zur ETIM-klassifizierten Datenbasis aussieht.
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