
PIM für PSA und Arbeitsschutz: Zertifikate und Normwerte als Produktdaten
Warum EN ISO 20345, EN 388 & Co. ins Produktdatenmodell gehören — und wie du Zertifizierungsdaten strukturiert statt in PDF-Ordnern pflegst.
Wer Sicherheitsschuhe, Schutzhandschuhe oder Warnkleidung verkauft, verkauft keine Schuhe, Handschuhe oder Jacken. Er verkauft Vertrauen: Zertifikate, Normklassen, Prüfwerte. Der Einkäufer eines Industriekunden entscheidet nicht nach Farbe, sondern nach der Frage, ob der Schuh S3 nach EN ISO 20345 erfüllt und ob die Konformitätserklärung greifbar ist. Genau diese Daten liegen bei vielen PSA-Herstellern und -Händlern aber verstreut: Zertifikate als PDF im Laufwerk der Qualitätsabteilung, Normwerte in Excel-Listen, Piktogramme irgendwo im Bildordner, Pflichtangaben in Lieferantenportalen. Dieser Artikel zeigt, warum PSA-Zertifizierungs- und Normdaten Produktdaten sind — und wie du sie strukturiert in ein PIM bekommst.
Hinweis zur Einordnung: Dieser Artikel geht gezielt auf Norm- und Zertifizierungsdaten als Produktdaten ein. Einen breiteren Blick auf die Branche — Sortimente, Kanäle, Händleranforderungen — findest du in unserem Artikel PIM für Workwear und Arbeitsschutz.
PSA-Verordnung (EU) 2016/425: Was davon sind Produktdaten?
Die PSA-Verordnung (EU) 2016/425 regelt, unter welchen Bedingungen persönliche Schutzausrüstung in der EU in Verkehr gebracht werden darf. Sie teilt PSA in drei Kategorien ein:
Kategorie I — Schutz gegen minimale Risiken (z. B. einfache Gartenhandschuhe, Regenkleidung). Der Hersteller darf die Konformität selbst erklären.
Kategorie II — alles dazwischen (z. B. Sicherheitsschuhe, Warnkleidung, die meisten mechanischen Schutzhandschuhe). Pflicht: EU-Baumusterprüfung durch eine notifizierte Stelle.
Kategorie III — Schutz gegen Risiken mit irreversiblen Folgen oder Todesgefahr (z. B. Chemikalienschutz, Atemschutz, Absturzsicherung). Zusätzlich zur Baumusterprüfung ist eine laufende Überwachung der Produktion vorgeschrieben; die Kennnummer der notifizierten Stelle steht neben dem CE-Zeichen.
Für deine Produktdaten heißt das konkret: Die Kategorie selbst ist ein Pflichtattribut, denn sie bestimmt, welche Nachweise ein Händler oder Endkunde erwarten darf. Dazu kommen die EU-Konformitätserklärung (sie muss der PSA beiliegen oder über eine in der Herstellerinformation angegebene Internetadresse abrufbar sein — diese URL ist ein Produktdatenfeld!), die Nummer der EU-Baumusterprüfbescheinigung samt notifizierter Stelle, sowie die Herstellerinformation und Gebrauchsanleitung in der Sprache jedes Zielmarkts. Wer in fünf Länder verkauft, pflegt diese Pflichtangaben fünfsprachig — pro Produkt.
Die Norm-Datenwelt der PSA: Fünf Normen, fünf Datenmodelle
Jede PSA-Produktgruppe bringt ihre eigene Norm mit — und jede Norm definiert eine eigene Struktur aus Klassen, Leistungsstufen und Piktogrammen. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Normen und was daraus ins Produktdatenmodell muss:
Norm | Produktgruppe | Was ins Datenmodell muss |
|---|---|---|
EN ISO 20345:2022 | Sicherheitsschuhe | Schutzklasse (SB, S1, S1P, S2, S3, S6, S7 inkl. Suffixe L/S für textilen Durchtrittschutz), Zusatzanforderungen als Einzelcodes (z. B. E, A, HRO, CI, WR), Rutschhemmung (seit 2022 „SR" statt SRA/SRB/SRC), Zehenkappen-Material |
EN 388:2016+A1:2018 | Schutzhandschuhe (mechanische Risiken) | Vier Ziffern als Einzelwerte: Abriebfestigkeit (0–4), Schnittfestigkeit Coup-Test (0–5), Weiterreißfestigkeit (0–4), Durchstichfestigkeit (0–4); dazu TDM-Schnittfestigkeit (A–F), Stoßschutz (P) und „X" für „nicht geprüft" |
EN ISO 20471 | Warnkleidung | Warnschutzklasse 1, 2 oder 3 (definiert über Mindestflächen an fluoreszierendem Hintergrund- und retroreflektierendem Material), Hintergrundfarbe, ggf. Klassenkombination bei Bekleidungs-Sets |
EN 343:2019 | Wetterschutzkleidung | Zwei getrennte Klassenwerte: Wasserdichtheit (Klasse 1–4) und Wasserdampfdurchgangswiderstand/Atmungsaktivität (Klasse 1–4) — seit 2019 mit Klasse 4 als höchster Stufe |
EN ISO 13688 | Schutzkleidung allgemein | Größensystem und Körpermaße, Pflegekennzeichnung, Alterungs-/Waschzyklenangaben, Unschädlichkeitsanforderungen — gilt nur in Kombination mit einer produktspezifischen Norm, die referenziert werden muss |
Wichtig: Normen leben. Die EN ISO 20345 wurde 2022 grundlegend überarbeitet — mit den neuen Klassen S6 und S7 (dauerhaft wasserdichte Varianten von S2 und S3), der Unterscheidung von metallischem und textilem Durchtrittschutz und der neuen Rutschhemmungs-Kennzeichnung. Wer seine Schuhdaten noch mit SRC-Werten aus der 2011er-Fassung pflegt, verkauft mit veralteten Angaben. Ein Datenmodell muss solche Normrevisionen abbilden können, ohne dass jemand tausende Artikel von Hand anfasst.
Beispiel EN 388: Warum „4X42F+P" kein Textfeld sein darf
Viele Hersteller pflegen die EN-388-Kennzeichnung als einen String: „4X42F+P". Für den Katalogdruck reicht das. Für alles andere nicht. Ein Händler-Shop, der nach „Schnittfestigkeit mindestens Level D" filtern soll, kann mit einem Textstring nichts anfangen. Strukturiert sieht derselbe Wert so aus:
Abriebfestigkeit: 4 (numerisches Attribut, Wertebereich 0–4)
Schnittfestigkeit (Coup-Test): X = nicht geprüft (eigener Status, nicht „leer")
Weiterreißfestigkeit: 4
Durchstichfestigkeit: 2
Schnittfestigkeit (TDM-Test): F (Auswahlliste A–F)
Stoßschutz: ja (Boolean)
Aus sechs Einzelattributen lässt sich der Kennzeichnungsstring jederzeit generieren — umgekehrt nicht zuverlässig. Dasselbe Prinzip gilt für die EN-343-Doppelklasse oder die Zusatzcodes der EN ISO 20345: Einzelwerte statt Codes-als-Prosa. Wie du den Zustand deiner Daten systematisch bewertest, zeigt unser Leitfaden zur Messung von Produktdatenqualität.
Warum PSA-Daten ein Datenmodell-Problem sind — kein Fleißproblem
Man könnte einwenden: Das ist doch alles nur Pflegeaufwand. Ist es nicht. PSA-Daten haben strukturelle Eigenschaften, an denen Excel und Ordnerstrukturen systematisch scheitern:
Varianten in zwei bis drei Dimensionen. Ein Sicherheitsschuh existiert in Größen 36–52, oft in mehreren Weiten, ein Warnschutz-Bundhose in Größe × Farbe. Die Normklasse gilt für das Modell, die EAN und der Bestand gelten für die Variante. Wer das in einer flachen Tabelle pflegt, kopiert Normdaten hundertfach — und korrigiert sie bei der nächsten Zertifikatsverlängerung hundertfach.
Piktogramme sind Medien mit Regeln. Das EN-388-Piktogramm mit den korrekten Leistungswerten, das Warnschutz-Symbol, Pflegesymbole: Sie müssen als Mediendateien am richtigen Produkt hängen und zum tatsächlichen Zertifizierungsstand passen. Ein falsches Piktogramm im Händlerkatalog ist kein Schönheitsfehler, sondern eine falsche Sicherheitsaussage.
Zertifikate laufen ab. EU-Baumusterprüfbescheinigungen sind befristet. Das Zertifikats-PDF gehört mit Ablaufdatum ans Produkt — damit auffällt, welche Bescheinigungen zur Verlängerung anstehen, bevor ein Händler nachfragt.
Pflichtangaben sind mehrsprachig. Gebrauchsanleitung und Herstellerinformation müssen in der Sprache des Zielmarkts vorliegen. Jede neue Sprache multipliziert den Pflegeaufwand — außer die Texte hängen strukturiert am Produkt und werden pro Sprache als Feld gepflegt.
Händler fordern klassifizierte Daten. Technischer Handel und Beschaffungsplattformen erwarten PSA-Sortimente zunehmend ETIM-klassifiziert — für Sicherheitsschuhe, Schutzhandschuhe und Warnkleidung existieren eigene ETIM-Klassen mit genau den Merkmalen, die oben in der Tabelle stehen. Ausgeliefert wird das Ganze dann typischerweise als BMEcat-Katalog. Ohne strukturierte Einzelwerte ist beides Handarbeit pro Händler.
Faustregel: Wenn ein Normwert in deinem Datenbestand nur als Bild (Piktogramm-Scan) oder als Freitext existiert, existiert er für Filter, Exporte und Klassifikationen nicht.
Wie ein PIM das Problem löst
Ein PIM-System ist genau für diese Konstellation gebaut: eine zentrale Quelle, in der Normattribute strukturiert, Varianten sauber vererbt und Medien mit Produkten verknüpft sind. Für PSA heißt das konkret:
Strukturierte Normattribute: EN-388-Ziffern, Schutzklassen und EN-343-Werte als typisierte Einzelfelder mit Wertelisten — inklusive der Möglichkeit, bei einer Normrevision wie der EN ISO 20345:2022 neue Attribute und Klassen zentral zu ergänzen.
Varianten-Management: Normklasse, Zertifikat und Beschreibung am Modell pflegen, Größe/Weite/Farbe an der Variante — die Vererbung erledigt den Rest. Eine Zertifikatsänderung ist eine Änderung, nicht dreihundert.
Medienverknüpfung: Piktogramme, Zertifikats-PDFs und Konformitätserklärungen hängen am Produkt, mit Ablaufdaten als Attribut — auswertbar, nicht vergraben.
Klassifikation und Export: ETIM- und eCLASS-Klassifizierung direkt im System, BMEcat-Export für Händler und Beschaffungsplattformen auf Knopfdruck. Welche Standards wann relevant sind, erklärt unser Überblick über die wichtigsten Klassifikationsstandards.
Dass das kein theoretisches Szenario ist, zeigen die veröffentlichten entitys-Referenzen aus genau diesem Segment: FHB (Workwear) und Hultafors (Arbeitsschutz und Werkzeuge) arbeiten mit entitys. Veröffentlichte Kundenmetriken über alle Branchen hinweg: bis zu 70 % weniger Zeitaufwand in der Datenpflege und bis zu 99 % weniger Datenfehler. Und weil entitys als Self-Service-Cloud-PIM ausgelegt ist, bauen Fachanwender das Datenmodell — inklusive der Normattribute ihrer Produktgruppen — selbst auf, ohne für jede Normrevision einen Implementierungspartner zu beauftragen. Die komplette Einführung dauert 6 bis 13 Wochen in 5 Sprints. Wie die Branche insgesamt tickt und welche Anforderungen Workwear-Händler stellen, liest du im Schwesterartikel PIM für Workwear und Arbeitsschutz.
Häufig gestellte Fragen
Welche Produktdaten braucht PSA nach EU 2016/425?
Mindestens: die PSA-Kategorie (I, II oder III), die EU-Konformitätserklärung bzw. die Internetadresse, unter der sie abrufbar ist, bei Kategorie II und III die Nummer der EU-Baumusterprüfbescheinigung und die notifizierte Stelle, die CE-Kennzeichnung (bei Kategorie III mit Kennnummer der überwachenden Stelle), die angewandten Normen mit Klassen und Leistungsstufen sowie Herstellerinformation und Gebrauchsanleitung in der Sprache jedes Zielmarkts.
Wie pflegt man EN-388-Werte strukturiert?
Als sechs Einzelattribute statt als Textstring: vier numerische Felder für Abrieb (0–4), Coup-Schnitt (0–5), Weiterreißen (0–4) und Durchstich (0–4), ein Auswahlfeld für die TDM-Schnittfestigkeit (A–F) und ein Ja/Nein-Feld für den Stoßschutz (P). „X" (nicht geprüft) braucht einen eigenen Status. Den Kennzeichnungsstring und das Piktogramm generierst bzw. verknüpfst du aus diesen Werten — so bleiben Filter, ETIM-Merkmale und Exporte konsistent.
Was hat sich mit der EN ISO 20345:2022 für Produktdaten geändert?
Die 2022er-Fassung führt die neuen Schutzklassen S6 und S7 ein (dauerhaft wasserdichte Varianten von S2 und S3), unterscheidet metallischen und textilen Durchtrittschutz über die Suffixe L und S und ersetzt die Rutschhemmungs-Codes SRA/SRB/SRC durch die neue Kennzeichnung SR. Datenbestände mit alten Klassenwerten müssen bei der Rezertifizierung migriert werden — im PIM eine zentrale Anpassung des Attributmodells statt Handarbeit pro Artikel.
Gibt es ETIM-Klassen für PSA-Produkte?
Ja. ETIM enthält eigene Klassen für PSA-Produktgruppen wie Sicherheitsschuhe, Schutzhandschuhe und Warnkleidung — mit Merkmalen, die den Normwerten entsprechen (Schutzklasse, Größe, Leistungsstufen). Der technische Handel und Beschaffungsplattformen fordern PSA-Daten zunehmend ETIM-klassifiziert an, meist als BMEcat-Katalog. Details zum Standard findest du auf unserer ETIM-Seite.
Reicht nicht ein Ordner mit Zertifikats-PDFs?
Für die reine Aufbewahrungspflicht vielleicht — für den Vertrieb nicht. Ein PDF-Ordner beantwortet keine Händleranfrage nach filterbaren Normwerten, füllt keinen BMEcat-Export, warnt nicht vor ablaufenden Bescheinigungen und liefert keine mehrsprachigen Pflichtangaben. Sobald Zertifikatsdaten in Kanäle müssen, brauchst du sie als strukturierte Attribute am Produkt.
Sprich mit uns über deine PSA-Daten
Wenn deine Normwerte heute in PDFs und Excel-Listen stecken, ist der erste Schritt kein Software-Kauf, sondern ein Blick auf dein Datenmodell. Genau dabei helfen wir: Wir zeigen dir an deinen eigenen Produkten, wie ein strukturiertes PSA-Datenmodell in entitys aussieht — von den EN-388-Einzelwerten bis zum BMEcat-Export. Vereinbare ein Gespräch mit uns.
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