
Contentserv-Alternativen 2026: Die ehrliche Landkarte nach der Centric-Übernahme
Wer nach der Übernahme durch Centric Software Alternativen prüft, braucht keine Rankings, sondern Bedarfsprofile – von Enterprise-PXM bis Mittelstands-SaaS.
Am 25. Februar 2025 hat Centric Software, eine Tochter von Dassault Systèmes, Contentserv für 220 Millionen Euro übernommen. Aus Contentserv wurde Centric PXM. Für viele Bestandskunden und Unternehmen mitten in der PIM-Auswahl ist das ein natürlicher Anlass, die eigene Situation einmal in Ruhe zu prüfen: Passt das System noch zu dem, was wir brauchen? Die Hintergründe der Übernahme haben wir in einem eigenen Artikel zusammengefasst: Contentserv wird Centric PXM – was die Übernahme bedeutet.
Wichtig vorweg: Dieser Artikel ist keine Abrechnung. Contentserv ist seit über 20 Jahren am Markt und hat sich seinen Platz im PXM-Segment verdient. Eine Übernahme ist erst einmal weder gut noch schlecht – sie ist ein Ereignis, das Fragen aufwirft. Wenn du gerade nach einer Contentserv Alternative suchst, bekommst du hier eine ehrliche Landkarte: welche Systeme für welches Bedarfsprofil passen, welche Fragen du dir vor einem Wechsel stellen solltest – und wann Bleiben die richtige Antwort ist.
Wer sucht nach Contentserv-Alternativen – und warum?
In unseren Gesprächen tauchen im Wesentlichen vier Situationen auf, in denen Unternehmen sich nach Alternativen umsehen. Keine davon setzt voraus, dass mit Contentserv etwas nicht stimmt:
Standortbestimmung nach der Übernahme: Eigentümerwechsel bedeuten oft neue Produktstrategien, neue Roadmap-Schwerpunkte, manchmal neue Vertragsmodelle. Viele Unternehmen nutzen so einen Moment schlicht, um zu prüfen, ob ihre Anforderungen und das System noch zusammenpassen. Das ist gutes Vendor-Management, kein Misstrauensvotum.
Suite-Umfang vs. tatsächlicher Bedarf: Centric PXM ist eine umfangreiche Product-Experience-Plattform. Wer davon vor allem den PIM-Kern nutzt – Produktdaten strukturieren, klassifizieren, an Kanäle ausleiten – zahlt und betreibt unter Umständen mehr Plattform, als er braucht.
Projekt- und Betriebskosten: Enterprise-PXM-Projekte sind typischerweise Implementierungsprojekte mit Dienstleister, individueller Konfiguration und laufender Betreuung. Das ist bei komplexen Anforderungen völlig angemessen – aber es ist ein Kostenprofil, das nicht zu jedem Unternehmen passt. Wie sich solche Gesamtkosten zusammensetzen, zeigen wir im Artikel zu versteckten PIM-Kosten.
Abhängigkeit vom Implementierungspartner: Manche Teams möchten Datenmodell, Workflows und Exporte selbst in der Hand haben, statt für jede Anpassung ein Ticket beim Partner zu öffnen. Auch das ist keine Kritik am Partnermodell – es ist eine Frage der eigenen Arbeitsweise.
Wofür Contentserv / Centric PXM stark ist
Fairness gehört in beide Richtungen. Contentserv – jetzt Centric PXM – ist eine der etabliertesten PXM-Plattformen im europäischen Markt, und dafür gibt es Gründe:
Umfangreiche PXM-Suite: PIM, DAM, Marketing-Funktionen und Experience-Management aus einer Hand – wer Produktdaten und Produkt-Content über viele Touchpoints orchestrieren will, findet hier viel Funktionstiefe.
Enterprise-Reife: Komplexe Rollen- und Rechtekonzepte, mehrstufige Freigabe-Workflows, viele Sprachen und Märkte – die Plattform ist für große, verteilte Organisationen gebaut.
Retail- und Brand-Fokus: Mit Centric Software im Rücken (dem PLM-Marktführer für Mode, Konsumgüter und Retail) ergibt sich eine durchgängige Kette von der Produktentwicklung bis zur Vermarktung. Für Brands und Händler in diesen Branchen ist das ein echtes Argument – eher für als gegen die Plattform.
Kurz: Wenn du eine internationale Brand mit komplexen Experience-Anforderungen bist und die Suite tatsächlich ausschöpfst, gibt es wenig Grund, wegen der Übernahme allein zu wechseln. Die spannende Frage ist eine andere: Bist du dieses Unternehmen?
Die Landkarte: Contentserv-Alternativen nach Bedarfsprofil
Es gibt nicht "die beste" Contentserv-Alternative – es gibt verschiedene Systeme für verschiedene Bedürfnisse. Wir sortieren den Markt deshalb nicht nach "besser oder schlechter", sondern nach Bedarfsprofilen. Denselben Ansatz fahren wir übrigens auch im Artikel Akeneo-Alternativen.
Profil 1: Enterprise-PXM und MDM – Stibo STEP, Informatica
Wenn du im Enterprise-Segment bleiben willst, weil deine Anforderungen es verlangen – viele Gesellschaften, globale Datendomänen, strenge Governance – dann sind Stibo Systems STEP und Informatica MDM – Product 360 die naheliegenden Kandidaten. Beide denken Produktdaten als Teil eines übergreifenden Master-Data-Managements: nicht nur Produkte, sondern auch Lieferanten, Kunden und Standorte in einem Datenmodell. Das ist mächtig, aber es sind ausgewachsene Enterprise-Projekte mit entsprechenden Budgets, Laufzeiten und Systemintegratoren. Auch Syndigo (das ehemalige Riversand) spielt in dieser Liga, mit starkem Fokus auf Retail-Syndication in Nordamerika. Für den DACH-Mittelstand sind diese Plattformen in der Regel überdimensioniert.
Profil 2: Open Source und Developer-First – Pimcore, Akeneo
Pimcore ist die flexibelste Option am Markt: eine Open-Source-Plattform, die PIM, DAM, CMS und Commerce vereint und sich praktisch beliebig anpassen lässt. Der Preis dafür ist, dass Pimcore ein Entwicklungsprojekt ist – du brauchst ein eigenes Entwicklerteam oder eine dauerhafte Agenturbeziehung. Die Lizenz mag frei sein, das Projekt ist es nicht; was realistisch zusammenkommt, rechnen wir im Artikel Pimcore-Kosten vor.
Akeneo kommt ebenfalls aus der Open-Source-Welt, hat sich aber zu einem kommerziellen SaaS-Anbieter mit internationalem Fokus entwickelt. Die Community Edition ist ein solider Einstieg für technikaffine Teams; die relevanten Enterprise-Funktionen liegen in den kostenpflichtigen Editionen, die typischerweise mit einem Implementierungspartner eingeführt werden. Stark im E-Commerce- und Retail-Umfeld, weniger tief bei B2B-Standards wie ETIM und eCLASS.
Profil 3: Mittelstands-SaaS aus dem DACH-Raum – entitys, atamya, nextPIM
Das dritte Profil ist für viele Contentserv-Interessenten und -Kunden aus dem Mittelstand das relevanteste: Cloud-PIM-Systeme, die speziell für mittelständische Hersteller und Händler im deutschsprachigen Raum gebaut sind – mit kürzeren Projekten und niedrigeren Gesamtkosten als im Enterprise-Segment.
entitys (das sind wir – entsprechend transparent ordnen wir uns hier ein): entitys ist ein Self-Service-Cloud-PIM für den B2B-Mittelstand. Das Bedarfsprofil dahinter: Fachanwender wollen Datenmodell, Klassifikation und Exporte selbst steuern, ohne für jede Änderung einen Implementierungspartner zu brauchen. B2B-Standards wie ETIM, eCLASS und BMEcat sind eingebaut statt anprogrammiert, entitys ist eCLASS Gold Preferred Partner, und in der Cloud liegen über 20 Millionen bereits klassifizierte Produktdatensätze, auf die du bei der Anlage zurückgreifen kannst. Die Preise sind öffentlich (ab 1.590 € pro Monat), die komplette Einführung dauert 6 bis 13 Wochen in 5 Sprints. Ehrliche Einordnung: entitys ist die passende Wahl für B2B-Mittelständler, die es selbst machen wollen – nicht für internationale Brands, die eine vollumfängliche Experience-Suite mit DAM- und Marketing-Orchestrierung suchen.
atamya (ehemals eggheads) aus Bochum ist ein etabliertes deutsches PIM, das als Cloud-native SaaS-Lösung auf MACH-Architektur neu aufgesetzt wurde und über ein wachsendes Partnernetzwerk implementiert wird. nextPIM aus Hörstel richtet sich mit einem pragmatischen Standard-Datenmodell vor allem an Fach- und Großhändler, insbesondere im Produktionsverbindungshandel. Beide sind faire Optionen, wenn du im DACH-Mittelstandssegment vergleichst – einen ausführlichen Vergleich findest du in unserem Überblick Die besten PIM-Systeme für den Mittelstand 2026.
Die Landkarte auf einen Blick
Bedarfsprofil | Typische Systeme | Projektlogik | Passt, wenn … |
|---|---|---|---|
Enterprise-PXM / MDM | Centric PXM, Stibo STEP, Informatica, Syndigo | Implementierungsprojekt mit Systemintegrator, meist 6–18 Monate | … du globale Datendomänen, viele Gesellschaften und strenge Governance hast |
Open Source / Developer-First | Pimcore, Akeneo (Community) | Entwicklungsprojekt mit eigenem Team oder Agentur | … du maximale Flexibilität willst und Entwicklerkapazität dauerhaft einplanst |
Mittelstands-SaaS DACH | entitys, atamya, nextPIM | Konfiguration statt Programmierung; bei entitys 6–13 Wochen in 5 Sprints | … Fachanwender das System selbst betreiben sollen und B2B-Standards zählen |
Sechs Fragen, bevor du wechselst
Ein PIM-Wechsel ist eine strategische Entscheidung, keine Reaktion auf eine Schlagzeile. Diese sechs Fragen helfen dir bei der Standortbestimmung:
Wie viel der Suite nutzen wir wirklich? Zieh die Nutzungsdaten: Welche Module sind aktiv, welche liegen brach? Wer 80 % PIM-Kern nutzt, hat ein anderes Anforderungsprofil als jemand, der die ganze Experience-Kette orchestriert.
Was kostet uns das System pro Jahr – vollständig? Lizenz plus Partnertage, interne Betreuung, Hosting, Upgrades. Erst die Gesamtrechnung macht Alternativen vergleichbar.
Wie schnell können wir heute Änderungen umsetzen? Neues Attribut, neuer Exportkanal, neue Klassifikation: Dauert das Stunden, Tage oder ein Partner-Ticket mit Wochen Vorlauf? Und: Ist das für euch ein Problem oder völlig okay?
Welche Rolle spielen B2B-Standards bei uns? Wenn deine Kunden ETIM- oder eCLASS-klassifizierte Daten und BMEcat-Kataloge fordern, gehört Standardunterstützung ins Zentrum der Bewertung – nicht in die Fußnote.
Was sagt die Roadmap des neuen Eigentümers? Sprich mit deinem Ansprechpartner bei Centric: Wohin entwickelt sich das Produkt, was heißt das für dein Segment und deine Verträge? Diese Antworten gehören in deine Entscheidung – aus erster Hand, nicht aus Gerüchten.
Ist Bleiben die beste Option? Ganz ehrlich: oft ja. Wenn das System läuft, das Team es beherrscht und die Kosten zum Nutzen passen, ist ein Wechsel schwer zu rechtfertigen. Migrationskosten und Projektrisiko sind real – ein Wechsel lohnt sich nur, wenn das Anforderungsprofil dauerhaft nicht mehr passt.
Wenn du die Auswahl strukturiert angehen willst, hilft dir unser Guide zur PIM-Systemauswahl mit Kriterienkatalog und Bewertungslogik.
Migrations-Realität: Was ein PIM-Wechsel wirklich bedeutet
Falls die Antwort nach ehrlicher Prüfung "wechseln" lautet, solltest du wissen, was auf dich zukommt. Ein PIM-Wechsel besteht im Kern aus drei Arbeitspaketen:
Datenexport und -bereinigung: Alle Produktdaten, Medienzuordnungen und Strukturen aus dem Altsystem exportieren – und die Gelegenheit nutzen, Altlasten nicht mitzunehmen.
Neuklassifikation und Datenmodell: Das Datenmodell wird im neuen System neu aufgesetzt; Klassifikationen wie ETIM oder eCLASS werden gemappt oder neu vergeben. Das ist der anspruchsvollste Teil – und der, bei dem vorklassifizierte Datenbestände am meisten Aufwand sparen.
Parallelbetrieb und Umstellung: Für eine Übergangszeit laufen beide Systeme parallel, bis alle Ausleitungskanäle am neuen System hängen und die Datenqualität verprobt ist.
Wie du diesen Umstieg Schritt für Schritt planst – inklusive Zeitplan und typischer Stolpersteine – steht in unserem Leitfaden PIM-System wechseln.
Häufig gestellte Fragen
Was ist aus Contentserv geworden?
Contentserv wurde am 25. Februar 2025 von Centric Software, einer Tochter von Dassault Systèmes, für 220 Millionen Euro übernommen und firmiert seitdem als Centric PXM. Die Details haben wir im Artikel zur Übernahme zusammengefasst.
Müssen Contentserv-Bestandskunden jetzt wechseln?
Nein. Die Übernahme ist zunächst ein Eigentümerwechsel, kein Produktende. Sinnvoll ist eine nüchterne Standortbestimmung: Nutzung, Kosten und Roadmap prüfen – und nur wechseln, wenn das Anforderungsprofil dauerhaft nicht mehr passt.
Welche Contentserv-Alternative passt für den B2B-Mittelstand?
Für mittelständische B2B-Hersteller und -Händler im DACH-Raum sind spezialisierte Cloud-Systeme wie entitys, atamya oder nextPIM meist passender als Enterprise-Suiten – kürzere Projekte, transparentere Kosten, eingebaute B2B-Standards. Ein ausführlicher Vergleich steht in unserem Mittelstands-PIM-Überblick.
Wie lange dauert der Wechsel von Contentserv zu einem anderen PIM?
Das hängt vom Zielsystem und der Datenlage ab. Enterprise-Implementierungen dauern branchenüblich 5 bis 12 Monate; die komplette Einführung von entitys dauert 6 bis 13 Wochen in 5 Sprints – vom Ramp-up über Datenmodell und Datenimport bis zu Export-Anbindung und Go-Live.
Was kostet eine Contentserv-Alternative?
Enterprise-PXM- und MDM-Plattformen werden individuell bepreist, meist im sechsstelligen Jahresbereich inklusive Implementierung. Open-Source-Optionen wie Pimcore verlagern die Kosten in die Entwicklung. Mittelstands-SaaS ist planbarer: entitys startet ab 1.590 € pro Monat mit öffentlicher Preisliste.
Fazit: Erst Profil klären, dann System wählen
Die Übernahme von Contentserv durch Centric Software ist ein guter Anlass für eine Standortbestimmung – nicht mehr und nicht weniger. Wer die Enterprise-Suite braucht und nutzt, ist bei Centric PXM oder Stibo/Informatica weiter gut aufgehoben. Wer Entwicklerkapazität hat und maximale Flexibilität will, schaut auf Pimcore oder Akeneo. Und wer als B2B-Mittelständler Produktdaten mit ETIM, eCLASS und BMEcat selbst in die Hand nehmen will, ohne von Implementierungspartnern abzuhängen, sollte sich das Mittelstands-SaaS-Profil ansehen – entitys eingeschlossen.
Wenn du gerade evaluierst und eine ehrliche Zweitmeinung willst – auch zu der Frage, ob ein Wechsel für euch überhaupt sinnvoll ist: Sprich mit uns. Wir sagen dir auch, wenn entitys nicht die richtige Wahl für euch ist.
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