
eCLASS 16: Was das neue Release bringt und wie du migrierst
995 neue Klassen, 1.253 neue Merkmale, Materialdeklaration an fast allen Klassen: die Neuerungen von eCLASS 16.0 und der 6-Schritte-Plan für den Umstieg von Release 15.
Am 28. November 2025 hat der eCLASS e.V. das Release eCLASS 16.0 veröffentlicht. Für dich als Hersteller oder Händler heißt das: Deine Kunden, Marktplätze und eProcurement-Plattformen werden früher oder später Daten nach eCLASS 16 fordern, und dein Bestand ist vermutlich noch auf Release 15, 14 oder älter klassifiziert. In diesem Artikel bekommst du beides: die wichtigsten Neuerungen aus den offiziellen Release-Informationen und einen konkreten Plan, wie du deine Bestandsdaten auf die neue Version hebst, ohne ein Mammutprojekt daraus zu machen.
Falls du noch grundsätzliche Fragen zum Standard hast, also Aufbau, Hierarchie, Basic vs. Advanced: Das erklären wir ausführlich in unserem Leitfaden Was ist eCLASS?. Hier geht es ausschließlich um das Release 16 und den Versionswechsel.
eCLASS 16.0 in Zahlen: Das ist neu
In das Release 16.0 sind über 155.000 Change Requests von Experten aus Industrie und Handel eingeflossen. Das Ergebnis in der Übersicht:
Neuerung | Umfang in eCLASS 16.0 |
|---|---|
Neue Klassen (CC, AS, BL, AC) | 995, davon 137 neue Klassifikationsklassen (CCs) |
Neue Merkmale | 1.253 |
Neue Werte | 985 |
Neue Wertelisten | 126 |
Eingeflossene Change Requests | über 155.000 |
Sprachen | 31, davon 29 vollständig übersetzt |
Die 995 neuen Klassen verteilen sich dabei auf verschiedene Strukturelemente: Neben den 137 echten Klassifikationsklassen (also den Klassen, denen du Artikel zuordnest) kommen Aspekte, Blöcke und Applikationsklassen hinzu, die vor allem die Advanced-Struktur betreffen.
Welche Sachgebiete sind betroffen?
Die inhaltlichen Schwerpunkte des Releases liegen in fünf Sachgebieten:
Sachgebiet 23 (Maschinenelement, Befestigung, Beschlag): deutlich ausgebaut, unter anderem mit neuen Untergruppen im Bereich 23-30 Lineartechnik und rotative Systeme.
Sachgebiet 27 (Elektro-, Automatisierungs- und Prozessleittechnik): das traditionell aktivste Sachgebiet, erneut mit Erweiterungen und Präzisierungen.
Sachgebiet 36 (Maschine, Apparat): Überarbeitungen im Maschinenbau-Umfeld. Warum präzise Klassifikationsdaten gerade hier den Unterschied machen, zeigt unser Beitrag PIM für den Maschinenbau.
Sachgebiet 50 (Möbel, Wohneinrichtung): strukturelle Erweiterungen.
Sachgebiet 51 (Fluidtechnik): mit der neuen Hauptgruppe 51-58 für Elektronik und Software in der Hydraulik, ein gutes Beispiel dafür, wie der Standard der zunehmenden Elektrifizierung klassischer Produktwelten folgt.
Materialdeklaration und Nachhaltigkeit: Der strategische Kern des Releases
Die aus unserer Sicht wichtigste Neuerung ist unscheinbarer als die großen Zahlen: Der Aspekt Materialdeklaration ist mit Release 16.0 an allen Klassifikationsklassen verfügbar, mit Ausnahme der Dienstleistungsklassen. Dazu kommen Erweiterungen für den Product Carbon Footprint (PCF), den Product Environmental Footprint (PEF) und erste Entwürfe für Recycling-Informationen.
Warum das strategisch relevant ist: Mit der ESPR-Verordnung (in Kraft seit Juli 2024) kommt der Digitale Produktpass schrittweise auf ganze Branchen zu, den Anfang macht der Batteriepass ab Februar 2027, der ESPR-Arbeitsplan priorisiert Textilien und Stahl. Wer Produktpass-Daten liefern muss, braucht standardisierte Strukturen für Material, Umweltfußabdruck und Kreislauffähigkeit. Genau diese Strukturen baut eCLASS gerade systematisch in den Standard ein. Wer heute auf Release 16 klassifiziert, legt also nebenbei das Datenfundament für kommende Nachhaltigkeitspflichten.
KI im Standard selbst
Bemerkenswert am Rand: Der eCLASS e.V. hat für Release 16.0 rund 23.300 neue Definitionen für Klassifikationsklassen KI-gestützt erzeugt und entsprechend gekennzeichnet. Für dich als Anwender heißt das vor allem: Deutlich mehr Klassen haben jetzt eine ausformulierte Definition, was die Klassensuche und die Abgrenzung ähnlicher Klassen spürbar erleichtert. Außerdem wurden die Submodel-Templates für die Verwaltungsschale (Asset Administration Shell) auf sieben erweitert, relevant für alle, die Richtung Industrie 4.0 und Digitaler Zwilling arbeiten.
Was der Versionswechsel für deine Bestandsdaten bedeutet
Ein neues Release ist kein Reset. Der größte Teil deiner Klassifizierung bleibt von 15.0 zu 16.0 unverändert gültig. Aber drei Dinge solltest du ernst nehmen:
Klassen können sich ändern: Zwischen Releases werden Klassen neu angelegt, präzisiert, verschoben oder aufgelöst. Artikel, die bisher in einer Sammel- oder "Sonstige"-Klasse lagen, haben in Release 16 womöglich eine passgenaue neue Klasse, gerade in den ausgebauten Sachgebieten 23, 27 und 51. Der eCLASS e.V. dokumentiert Änderungen zwischen Releases in Update-Dateien, die du für ein sauberes Mapping 15 auf 16 nutzt.
Merkmalleisten ändern sich: 1.253 neue Merkmale bedeuten: Selbst wenn dein Artikel in derselben Klasse bleibt, kann seine Merkmalleiste in 16.0 länger oder anders strukturiert sein. Deine gepflegten Werte bleiben erhalten, aber neue Merkmale (etwa aus der Materialdeklaration) stehen zunächst leer und wollen priorisiert befüllt werden.
Deine Kunden geben das Tempo vor: Marktplätze, eProcurement-Systeme und Einkaufsorganisationen stellen nicht am Release-Tag um. In der Praxis wirst du eine Zeit lang mehrere Versionen parallel bedienen: Kunde A will weiter Release 14, Kunde B fordert ab dem nächsten Katalog-Update Release 16. Dein System muss deshalb mehrere eCLASS-Versionen parallel führen und pro Exportkanal die richtige ausspielen können, typischerweise über einen BMEcat je Kunde.
Faustregel: Nicht das Release-Datum bestimmt deinen Migrationszeitpunkt, sondern die erste konkrete Kundenanforderung. Aber wer wartet, bis die Anforderung im Postfach liegt, migriert unter Zeitdruck. Der bessere Weg: jetzt das Mapping vorbereiten, dann pro Kunde umschalten.
Migrationsplan: In 6 Schritten von eCLASS 15 auf 16
Anforderungen einsammeln: Frag deine wichtigsten Datenabnehmer, welche eCLASS-Version sie wann fordern, Basic oder Advanced, und ob Merkmale Pflicht sind. Das Ergebnis ist deine Migrations-Roadmap, nicht der Kalender des eCLASS e.V.
Release 16 lizenzieren und einlesen: Besorge die Release-Dateien über den eCLASS-Shop oder deine Mitgliedschaft und lade die Version zusätzlich zur bestehenden in dein System. Wichtig: zusätzlich, nicht ersetzend, du brauchst beide parallel.
Delta-Analyse fahren: Gleiche deine verwendeten Klassen gegen die Änderungsdokumentation des Releases ab. Ergebnis ist eine Dreiteilung: unverändert übernehmbar (der Großteil), geändert (neue Merkmale, verschobene Klassen) und aufgelöst (Artikel brauchen eine neue Klasse).
Mapping auf Warengruppen-Ebene entscheiden: Bearbeite die Änderungsfälle nicht Artikel für Artikel, sondern entlang deiner Warengruppen. Artikel derselben Warengruppe wandern fast immer gemeinsam in dieselbe Zielklasse. So werden aus tausenden Einzelfällen einige Dutzend Mapping-Entscheidungen mit fachlicher Prüfung.
Neue Merkmale priorisiert befüllen: Fülle zuerst, was Kunden aktiv fordern, danach die neuen Nachhaltigkeitsmerkmale (Materialdeklaration, PCF), die mit dem Digitalen Produktpass an Gewicht gewinnen. Der Rest folgt in der laufenden Datenpflege.
Kanalweise umstellen und validieren: Schalte Exportkanäle einzeln auf Release 16 um, sobald der jeweilige Abnehmer bereit ist, und validiere den ersten Katalog gemeinsam mit dem Kunden. Alte Versionen bleiben aktiv, solange sie gefordert werden.
Mit einem PIM, das Klassifikationsversionen sauber parallel führt, ist das ein planbares Projekt von Wochen, nicht Monaten. Ohne führendes System, also mit Excel-Listen pro Kunde und Version, wird jeder weitere Release-Wechsel teurer als der letzte.
Wie entitys den Umstieg beschleunigt
entitys ist eCLASS Gold Preferred Partner, und die Klassifizierung ist kein Zusatzmodul, sondern Kern des Systems: Klassen, Merkmalleisten und Versionen werden zentral verwaltet, Exporte je Kunde ziehen die jeweils geforderte Version. Der größte Hebel liegt aber in den Daten selbst: In der entitys-Cloud liegen über 20 Millionen bereits klassifizierte Produktdatensätze. Findet sich dein Artikel oder ein vergleichbarer Artikel darin, übernimmst du Klasse und Merkmalstruktur als Vorlage, statt bei null zu suchen. Unsere Kunden erreichen mit vorklassifizierten Datensätzen eine Aufwandsreduktion von 80 Prozent gegenüber der manuellen Klassifizierung, das gilt für die Erstklassifizierung genauso wie für den Versionswechsel.
Wie sich das mit dem zweiten großen Standard verträgt: Viele Hersteller müssen eCLASS und ETIM parallel bedienen, weil unterschiedliche Kundengruppen unterschiedliche Standards fordern. Wie du beide in einem System pflegst, ohne doppelte Arbeit, liest du in eCLASS vs. ETIM im PIM.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich sofort auf eCLASS 16 umstellen?
Nein. Es gibt keine Pflicht, jedes Release mitzugehen, und ältere Versionen bleiben nutzbar. Entscheidend ist, was deine Kunden und Plattformen fordern. Sinnvoll ist, das Mapping jetzt vorzubereiten und kanalweise umzustellen, sobald die erste Anforderung kommt, dann migrierst du geplant statt unter Zeitdruck.
Was ist neu in eCLASS 16.0?
Das Release vom 28. November 2025 bringt 995 neue Klassen (davon 137 Klassifikationsklassen), 1.253 neue Merkmale, 985 neue Werte und 126 neue Wertelisten, eingeflossen sind über 155.000 Change Requests. Schwerpunkte: die Sachgebiete 23, 27, 36, 50 und 51 sowie die Materialdeklaration, die jetzt an praktisch allen Klassifikationsklassen verfügbar ist.
Verliere ich beim Umstieg meine gepflegten Daten?
Nein. Der Großteil deiner Klassifizierung bleibt zwischen den Releases gültig, und gepflegte Merkmalwerte bleiben erhalten. Arbeit entsteht dort, wo Klassen verschoben oder aufgelöst wurden und wo neue Merkmale hinzugekommen sind. Mit einer Delta-Analyse und Mapping auf Warengruppen-Ebene bleibt dieser Teil überschaubar.
Kann ich eCLASS 15 und 16 parallel nutzen?
Ja, und in der Übergangszeit musst du das sogar, weil deine Abnehmer zu unterschiedlichen Zeitpunkten umstellen. Dein PIM sollte mehrere Klassifikationsversionen parallel führen und je Exportkanal die geforderte Version ausspielen können.
Hat eCLASS 16 etwas mit dem Digitalen Produktpass zu tun?
Indirekt, aber gezielt: Mit der flächendeckenden Materialdeklaration und den Erweiterungen zu PCF und PEF baut der Standard genau die Datenstrukturen auf, die für kommende ESPR-Produktpass-Pflichten gebraucht werden. Was auf Hersteller und Händler konkret zukommt, liest du in unserem Überblick zum Digitalen Produktpass.
Fazit: Jetzt vorbereiten, kanalweise umstellen
eCLASS 16.0 ist ein inhaltlich starkes Release: fast 1.000 neue Klassen, über 1.200 neue Merkmale und mit der Materialdeklaration ein klares Signal Richtung Nachhaltigkeitsdaten und Produktpass. Für deinen Bestand gilt: kein Grund zur Hektik, aber ein guter Anlass, die eigene Klassifizierung auf den Prüfstand zu stellen. Wer das Mapping von 15 auf 16 jetzt vorbereitet, stellt später pro Kunde per Knopfdruck um. Wie das Muster grundsätzlich funktioniert, kannst du auch am Vorgänger-Release nachlesen: eCLASS Release 15.0.
Wenn du wissen willst, wie dein Bestand auf Release 16 kommt und wie viel davon über vorklassifizierte Datensätze abgedeckt ist: Sprich mit uns, wir schauen uns deine Daten gemeinsam an.
MAGAZIN

