
PIM für SHK: Eine Datenbasis für DATANORM, BMEcat und alle Datenpools
Warum SHK-Hersteller dieselben Produktdaten in drei bis vier Formaten liefern müssen — und wie ein PIM daraus einen einzigen Pflegeprozess macht.
Das Wichtigste in Kürze: SHK-Hersteller verkaufen über den dreistufigen Vertriebsweg (Hersteller → Großhandel → Handwerk) und müssen deshalb dieselben Produktdaten in mehreren Formaten liefern: DATANORM für die Handwerkersoftware, BMEcat nach ETIM für Großhandel und Datenpools wie Open Datacheck — plus Excel-Sonderformate einzelner Abnehmer. Ein PIM-System löst das mit einem Prinzip: eine gepflegte Datenbasis, mehrere Export-Regelwerke. Statt drei bis vier Datenbestände parallel zu pflegen, pflegst du einen — und generierst daraus jedes Zielformat.
Warum Produktdaten in der SHK-Branche ein eigenes Thema sind
Sanitär, Heizung, Klima ist eine der am stärksten formatgetriebenen Branchen im B2B überhaupt. Der Grund ist der dreistufige Vertriebsweg: Als Hersteller verkaufst du nicht direkt an den Installateur, sondern über den Fachgroßhandel. Deine Produktdaten durchlaufen also mindestens zwei Stationen, bevor sie beim Handwerksbetrieb ankommen — und jede Station erwartet ein anderes Format.
Konkret heißt das:
Der Handwerksbetrieb kalkuliert Angebote in seiner Branchensoftware und erwartet dort Artikel- und Preisdaten im DATANORM-Format — seit Jahrzehnten der Standard im deutschen Handwerk.
Der Großhandel braucht klassifizierte Daten für Webshop, ERP und Kataloge — in der Regel als BMEcat mit ETIM-Klassifikation, geprüft über Plattformen wie Open Datacheck.
Datenpools im Ausland (2BA in den Niederlanden, InstallData in Belgien) haben eigene ETIM-basierte Anforderungen, sobald du dort in den Markt willst.
Einzelne Großhändler und Einkaufsverbände schicken dir zusätzlich eigene Excel-Templates, die keines der Standardformate 1:1 abdeckt.
Ein Hersteller mit 5.000 Artikeln pflegt so schnell drei bis vier parallele Datenbestände — mit allen Fehlern, die entstehen, wenn dieselbe Änderung an mehreren Stellen nachgezogen werden muss. Genau dieses Problem löst ein PIM-System.
Pflichtformat 1: DATANORM für das Handwerk
DATANORM ist das Austauschformat für Artikel- und Preisdaten zwischen Herstellern, Großhandel und Handwerkersoftware. Praktisch jede SHK-Branchensoftware — von der Angebotskalkulation bis zur Wartungsverwaltung — liest DATANORM-Dateien ein. Wer als Hersteller oder Lieferant kein DATANORM liefert, taucht in der Kalkulation des Installateurs schlicht nicht auf.
Verteilt werden DATANORM-Daten heute zunehmend online: Dienste wie SHK-Connect (ein Verzeichnisdienst der ARGE Neue Medien) sorgen dafür, dass die Handwerkersoftware automatisch weiß, wo sie die aktuellen Kataloge und Preise eines Lieferanten abrufen kann. Ergänzend etabliert sich Open Masterdata als Standard für den Stammdatenabruf auf Zuruf — einzelne Artikel werden live abgefragt, statt komplette Kataloge zu importieren. Für dich als Hersteller ändert das nichts am Grundsatz: Die DATANORM-Fähigkeit deiner Daten bleibt Pflicht. Die Details zum Format, seinen Versionen und typischen Stolperfallen findest du im DATANORM-Leitfaden.
Pflichtformat 2: BMEcat nach ETIM für Großhandel und Datenpools
Der SHK-Großhandel bezieht seine Produktdaten heute überwiegend als BMEcat — ein XML-Katalogformat, das neben Preisen auch Beschreibungen, technische Merkmale, Bilder und Dokumente transportiert. Die technischen Merkmale darin folgen der ETIM-Klassifikation: Jedes Produkt bekommt eine ETIM-Klasse mit fest definierten Merkmalen, sodass ein Durchlauferhitzer oder ein Vorwandelement bei jedem Großhändler mit denselben Feldern beschrieben ist.
ETIM ist in der Elektro- und SHK-Welt der dominierende Klassifikationsstandard. Die aktuelle Version ETIM 10.0 (Dezember 2024) umfasst rund 5.600 Produktklassen, darunter die komplette Haustechnik: Armaturen, Wärmeerzeuger, Pumpen, Rohrsysteme, Sanitärkeramik, Lüftungstechnik. ETIM 11.0 ist für den 1. Dezember 2026 angekündigt. Beim Katalogformat selbst ist Bewegung im Markt: Mit ETIM xChange steht der designierte Nachfolger von BMEcat bereit — bis der flächendeckend gefordert wird, bleibt BMEcat (Version 1.2 und 2005) das Format, das Großhandel und Datenpools tatsächlich verlangen. Einen Überblick über Katalogformate insgesamt gibt der Artikel zu elektronischen Katalogen.
Wo deine Daten landen: Portale und Datenpools im SHK-Markt
Anders als in vielen Branchen läuft die Datenverteilung im SHK-Markt über etablierte zentrale Plattformen. Die wichtigsten:
Plattform | Betreiber / Markt | Rolle | Typisches Format |
|---|---|---|---|
Open Datacheck | Großhandel (ITEK), DACH | Qualitätsprüfung und Übergabe der Herstellerdaten an den Großhandel | BMEcat mit ETIM, gegen Datenqualitätsrichtlinie geprüft |
Open Datapool | Handwerksorganisation (ZVSHK) | Datenportal für SHK-Fachbetriebe | Stammdaten und Dokumente der Hersteller |
SHK-Connect | ARGE Neue Medien | Verzeichnisdienst: verbindet Handwerkersoftware mit den Datenquellen der Lieferanten | DATANORM online, IDS-Connect |
2BA | Niederlande | Zentraler Datenpool der Installationsbranche NL | BMEcat mit ETIM |
InstallData | Belgien | Zentraler Datenpool der Installationsbranche BE | BMEcat mit ETIM |
Wichtig für die Planung: Jede dieser Plattformen prüft und erwartet Daten nach eigenen Richtlinien. Open Datacheck etwa prüft gegen die Datenqualitätsrichtlinie des Großhandels — ein BMEcat, der formal gültig ist, kann dort trotzdem durchfallen, weil Pflichtmerkmale der ETIM-Klasse fehlen oder Bildauflösungen nicht reichen. Wer den niederländischen oder belgischen Markt bedient, liefert an 2BA bzw. InstallData zusätzlich — gleiche ETIM-Basis, aber eigene Lieferwege und Prüfregeln.
Der eigentliche Schmerz: ein Datensatz, drei bis vier Formate
Nimm ein einziges Produkt — eine Trinkwasserarmatur. Dieselben Stammdaten müssen raus als:
DATANORM-Datei für die Handwerkersoftware (Kurztexte mit Zeichenbegrenzung, Preisstaffeln, Rabattgruppen),
BMEcat nach ETIM für Open Datacheck und den Großhandel (vollständige Pflichtmerkmale der ETIM-Klasse, Bilder, Datenblätter),
ETIM-basierte Lieferung an 2BA/InstallData, falls Benelux relevant ist,
und mindestens ein individuelles Excel-Template eines Großhändlers oder Einkaufsverbands.
Ohne zentrales System heißt das: Bei jeder Preisänderung, jeder Produktüberarbeitung, jedem ETIM-Versionswechsel werden alle Bestände einzeln angefasst. In der Praxis leben diese Bestände in Excel-Dateien verschiedener Abteilungen — und laufen auseinander. Der Großhandel bekommt den alten Kurztext, das Handwerk den alten Preis, und die Fehlersuche beginnt beim reklamierenden Kunden statt im eigenen System. Dass das teuer ist, ist messbar: Gartner beziffert die Kosten schlechter Datenqualität auf durchschnittlich 12,9 Mio. USD pro Jahr und Unternehmen — und laut einer Shotfarm-Studie gehen rund 40 % der Retouren auf schlechte Produktdaten zurück.
Die Lösung: eine Datenbasis, mehrere Export-Regelwerke
Ein PIM-System dreht die Logik um. Statt pro Empfänger einen Datenbestand zu pflegen, gibt es genau eine Quelle der Wahrheit: Jedes Produkt wird einmal vollständig gepflegt — Stammdaten, ETIM-Klassifikation, Texte, Bilder, Dokumente. Die Zielformate entstehen daraus über Export-Regelwerke:
DATANORM-Export mit den Kurztext-, Preis- und Rabattgruppenregeln fürs Handwerk,
BMEcat-Export nach ETIM mit den Pflichtmerkmalen für Open Datacheck und Großhandelskunden,
kundenindividuelle Excel-Exporte für Templates einzelner Abnehmer — einmal als Regel definiert, danach per Knopfdruck.
Eine Änderung an der Quelle landet automatisch in jedem Export. Für den ETIM-Versionswechsel heißt das: einmal migrieren statt viermal. In entitys ist die ETIM- und eCLASS-Klassifikation direkt eingebaut (entitys ist eCLASS Gold Preferred Partner), und in der Cloud liegen über 20 Millionen bereits klassifizierte Produktdatensätze — bei Artikeln, die dort schon vorhanden sind, entfällt ein Großteil der Klassifikationsarbeit. Kunden berichten von bis zu 70 % weniger Zeitaufwand in der Datenpflege und bis zu 99 % weniger Datenfehlern. Die komplette Einführung dauert bei entitys 6 bis 13 Wochen in 5 Sprints — branchenüblich sind 5 bis 12 Monate. Was das kostet, steht öffentlich auf der Preisseite (Einstieg ab 1.590 € pro Monat).
Übrigens: Für die Elektrobranche gilt dieselbe Logik mit eigenen Portalen und Nuancen — dazu gibt es den Schwesterartikel PIM für die Elektrotechnik.
Wann ein PIM (noch) nicht passt
Ein PIM-System ist kein Selbstzweck. In diesen Fällen würden wir dir selbst davon abraten:
Sehr kleines Sortiment, ein Empfänger: Wer 100 Artikel an genau einen Großhändler liefert, fährt mit einer sauber gepflegten Excel-Vorlage plus Konverter oft günstiger.
Kein DATANORM- oder BMEcat-Druck: Wenn weder Handwerkersoftware noch Datenpools zu deinen Abnehmern gehören und niemand strukturierte Daten verlangt, fehlt der wichtigste Hebel.
Die Stammdaten selbst sind das Problem: Wenn im ERP Artikelnummern doppelt vergeben sind oder Basisdaten fehlen, gehört die Aufräumarbeit an die Quelle — ein PIM macht schlechte Stammdaten schneller sichtbar, aber nicht von allein besser.
Niemand hat den Hut auf: Ohne eine Person, die Produktdaten verantwortet, bleibt auch das beste System ungepflegt. Erst Verantwortung klären, dann Software kaufen.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich DATANORM und BMEcat parallel?
Ja — weil sie unterschiedliche Empfänger bedienen. DATANORM ist das Format der Handwerkersoftware (Kalkulation, Angebot, Preispflege beim Installateur), BMEcat nach ETIM das Format für Großhandel und Datenpools wie Open Datacheck. Keines ersetzt das andere: Wer nur BMEcat liefert, fehlt in der Handwerkskalkulation; wer nur DATANORM liefert, fällt bei der Datenqualitätsprüfung des Großhandels durch. Deshalb ist der zentrale Hebel, beide Formate aus einer Datenbasis zu generieren.
Welche ETIM-Version ist für SHK aktuell relevant?
Aktuell ist ETIM 10.0 (Dezember 2024) mit rund 5.600 Klassen; ETIM 11.0 erscheint am 1. Dezember 2026. Welche Version dein Abnehmer verlangt, gibt er vor — Großhändler und Datenpools stellen nicht am Erscheinungstag um. Ein PIM sollte den Versionswechsel als Migration unterstützen, statt dass du jede Klasse von Hand neu zuordnest.
Was ist der Unterschied zwischen Open Datacheck und Open Datapool?
Open Datacheck ist die Plattform des Großhandels: Hersteller liefern dort Daten an, die gegen die Datenqualitätsrichtlinie geprüft und an die Großhändler übergeben werden. Der Open Datapool ist das Datenportal der Handwerksorganisation (ZVSHK), über das SHK-Fachbetriebe auf Herstellerdaten zugreifen. Als Hersteller hast du mit beiden zu tun — mit unterschiedlichen Anforderungen.
Kann ich SHK-Produktdaten nicht einfach in Excel pflegen?
Bis zu einer gewissen Größe ja. Kritisch wird es, wenn mehrere Zielformate parallel bedient werden müssen: Excel kennt keine ETIM-Pflichtmerkmale, keine DATANORM-Feldlängen und keine Prüfregeln — jede Formatanforderung wird zu Handarbeit, jede Änderung muss in mehrere Dateien. Genau an diesem Punkt rechnet sich der Umstieg auf eine zentrale Datenbasis.
Wie lange dauert die Einführung eines PIM-Systems für einen SHK-Hersteller?
Branchenüblich sind 5 bis 12 Monate. Mit entitys dauert die komplette Einführung 6 bis 13 Wochen, in 5 Sprints: Ramp-up, Datenmodell, Datenimport, Export & Anbindung, Schulung & Go-Live. Da ETIM und eCLASS bereits eingebaut sind und über 20 Millionen klassifizierte Datensätze in der Cloud liegen, entfällt ein großer Teil der klassischen Projektarbeit.
Sprich mit uns über deine SHK-Datenlieferungen
Wenn du heute DATANORM, BMEcat und Excel-Templates aus getrennten Beständen bedienst, zeigen wir dir gern an deinen eigenen Artikeln, wie eine Datenbasis mit mehreren Export-Regelwerken aussieht — inklusive ETIM-Klassifikation und der Frage, welche deiner Produkte in der entitys-Cloud schon vorklassifiziert vorliegen. Vereinbare ein unverbindliches Gespräch.
MAGAZIN

